Di

08

Jul

2014

Via PanAm nach Ipiales und Las Lajas

Kolumbien hat auch im Süden des Landes eine tolle Landschaft zu bieten: Schluchten, Berge und Täler – die Straßenführung ist teilweise spektakulär und der Landy muss ganz schön ackern um diese ganzen Höhenmeter zu meistern.

Wir erreichen die Stadt Pasto, die uns beim Durchfahren nicht gefällt. Wozu also bleiben? Weiter geht’s bis Ipiales, wo wir rechtzeitig eintreffen um Fußball zu gucken: Brasilien gegen Deutschland steht auf dem Plan. Und nachdem die Brasilianer ja Kolumbien aus dem Turnier gekickt haben ist ganz Kolumbien auf deutscher Seite! Im Restaurant werden wir von allen Seiten freudig begrüßt und bei dem unglaublichen Spiel mit dem noch unglaublicheren Ergebnis von 7:1 für Deutschland ist der ganze Laden aus dem Häuschen. So ein Spiel und das in dieser Umgebung werden uns mit Sicherheit ewig in Erinnerung bleiben!

Im wenige Kilometer entfernten Las Lajas parken = campen wir in einem privaten Hof und werden bis in den frühen Abend hinein immer wieder von vorbeilaufenden Touristen (vornehmlich aus Ecuador) über unsere Reise und das Fahrzeug ausgefragt und immer wieder fotografiert. Wir fühlen uns fast schon wie Pop-Stars :-).

Am nächsten Morgen besichtigen wir das Highlight von Las Lajas: ein Kloster mit einer imposanten Kirche, die tief in die Schlucht gebaut wurde. Eine architektonische Meisterleistung.

Das ist dann auch der letzte Stopp in Kolumbien und wir überqueren mittags problemlos die Grenze nach Ecuador.

Mo

07

Jul

2014

Wir rumpeln zurück durch den Nebelwald und weiter südwärts

Da wir die Strecke durch den Nebelwald nun schon kennen wissen wir ja, was auf uns zu kommt, nämlich 130 km und etwa 4-5 Stunden. Auch diesmal wird uns die Strecke als sicher signalisiert und wir kommen ohne Probleme durch.

Entlang der Panameriana fahren wir südwärts bis nach El Bordo, wo wir erstmals bei der Feuerwehr (Bomberos) übernachten. Der diensthabende Feuerwehrmann ist super nett, weist uns einen Platz auf dem Gelände zu und gibt Tipps zum Ort. Auf dem Rückweg vom Abendessen bringen wir ihm einen Snack mit und morgens erfreuen wir ihn mit Kleinigkeiten wie Schlüsselbändern, Kugelschreibern usw. – bezahlen dürfen oder brauchen wir nichts.

 

Fr

04

Jul

2014

San Agustin

Es ist ja Fußball Weltmeisterschaft und ganz Kolumbien ist im WM-Fieber. Die Mehrheit der Kolumbianer trägt das Nationaltrikot und sämtliche Spiele werden übertragen. Zuerst schauen wir uns das Spiel Deutschland – Frankreich an und sind mit dem 1:0 glücklicherweise eine Runde weiter. Beim Spiel Brasilien – Kolumbien scheidet Kolumbien 2:1 aus und die Nation ist erst traurig und enttäuscht. Aber das dauert nur ein paar Minuten dann wird munter der Erfolg ihres Teams gefeiert, welches nach 16 Jahren erstmals wieder an der WM teilgenommen hat. Autocorsos fahren hupend durch den Ort und es wird überall gefeiert. Hier kann man sich auch noch über das Erreichen des Viertelfinales freuen – in Deutschland würde das wahrscheinlich zur verbalen Steinigung oder ähnlichem der Mannschaft samt Trainer führen.

San Agustin ist bekannt für seine archäologischen Stätten und diese erkunden wir mit dem Fahrrad. Zuerst radeln wir zum Archäologischen. Park und bewundern dort auf einer großen Fläche eine Vielzahl von Stein-Statuen. Sehr faszinierend welche bildhauerischen Fähigkeiten unsere Vorfahren schon hatten. Das kleine, angeschlossene Museum rundet den interessanten Besuch ab.

Danach schwingen wir uns wieder in den Fahrradsattel und fahren weiter durch die schöne Landschaft – allerdings wird die Strecke auf lehmigem Untergrund immer steiler und holpriger und Doris geht ein wenig die Puste aus.

Sonntags regnet es viel und so starten wir erst nachmittags mit Auto und fahren nach „El Estrecho, wo sich der breite Fluss auf einige Meter verengt. Die Wassermassen schießen regelrecht durch diese Verengung! Später machen wir noch eine kleine Wanderung zu „La Chaquira“. Da die Wegbeschilderung mal wieder mangelhaft ist laufen wir ein Stück in die falsche Richtung und dehnen die Wanderung so unfreiwillig etwas aus. Bei „La Chaquira“ handelt es sich um eine Statue, die eine Frau darstellt. Es ist weniger die Statue, die diesen Ort auszeichnet sondern vielmehr die Umgebung die Begeisterung bei uns auslöst. Überblickt „La Chaquira“ doch die gewaltige, grüne Schlucht mit diversen Wasserfällen.

Do

03

Jul

2014

Wer rumpelt so lang durch Wald und Wind - es ist der Landy mit Kabine samt Spind

Von den Thermalquellen nehmen wir direkten Kurs auf San Agustin. Die kürzeste Route galt jahrelang als unsicher. Heute kann man die Strecke angeblich problemlos befahren. Sicherheitshalber befragen wir die Polizei im Örtchen Coconuco und erhalten den hoch gestreckten Daumen als Zeichen für „Alles klar!“. Ein paar Minuten später sehen wir ein Polizeifahrzeug und fragen erneut. Aber klar doch können wir da lang fahren. Los geht’s. Die Fahrt führt erst über eine sehr gute Teerpassage, dann aber ca. die Hälfte der Strecke über eine unbefestigte Holperpiste mit Löchern, Matsch und reichlich Bodenwellen. Gut, dass der Landy so robust ist und uns mit samt Hab und Gut willig durch die Gegend kutschiert. Die Fahrt geht größtenteils durch dichten Nebelwald mit Paramó Palmen und ist ein reines Naturerlebnis. Wie der Name Nebelwald schon sagt ist es hier auch ziemlich neblig und feucht. Außer uns sind noch PKW, Busse und Viehtransporter unterwegs und die Strecke ist überraschenderweise gar nicht so wenig befahren.

Wir werden also kräftig durchgeschüttelt und wundern uns über die vielen Viehtransporter – das arme Vieh denken wir – was für eine Strapaze. Und dann sehen unsere Augen leider mehrfach, wie diese Laster anhalten, der Fahrer aussteigt und mit einem Elektro-Schocker die halb toten Tiere zum Aufstehen zwingt – sofern diese denn noch aufstehen können. Grausam – wir werden doch noch Vegetarier.

Ein wenig mitgenommen von der Fahrt kommen wir in San Agustin an und finden dort am Ortsrand den Campingplatz Gamcelat. Das Ambiente ist ein wenig rustikal aber wir parken auf der Obstwiese und die Besitzer sind unglaublich nett und hilfsbereit und bieten einen sehr günstigen Wäscheservice an. Jaja, jederzeit Zugriff auf die eigene Waschmaschine zu haben ist schon ein Luxus und nicht überall kann man seine Wäsche waschen lassen.

Mi

02

Jul

2014

Popayan – Stoßdämpfer für den Landy und Thermalbad für uns!

Nachdem der Reiseführer die Stadt überschwänglich lobt und sogar mit Cartagena vergleicht sind wir mehr als gespannt. Wir finden zwar eine schöne Plaza und ein paar nette Gebäude, aber insgesamt reißt uns die Stadt nicht vom Hocker. Deshalb sind wir recht schnell durch mit unserer Besichtigungstour und auf dem Rückweg zum Auto stolpern wir noch durch ein „Autoviertel“, in dem es fast alles gibt, was ein Fahrzeug so benötigt. Übrigens gibt es in allen Mittel- und Südamerikanischen Ländern immer solche Stadtviertel, wo sich alle Läden auf das gleiche Thema spezialisiert haben und die gleichen Artikel oder Dienstleistungen anbieten. Dort gibt es dann (fast) alles – vielleicht nicht das, was man gerade sucht, aber etwas Ähnliches!. Im besagten Autoviertel fallen uns wieder die Stoßdämpfer für den Landy ein. Gleich mal den ersten Händler gefragt, der uns dann freundlich an einen weiteren verweist bevor der Dritte im Bunde sich dann der Sache annimmt. Natürlich hat er die gewünschten Stoßdämpfer nicht da – aber wir sollen mal mit dem Auto vorfahren, dann kann er sich das mal genauer anschauen. Gesagt, getan. Fünf Minuten später steht der Landy vor dem kleinen Shop und der Chef beginnt sofort mal ein wenig zu messen. Weitere 10 Minuten später liegen dann 3 verschiedene Stoßdämpfer auf der Ladentheke. Von der Länge sind alle ok – nur die Aufhängung ist anders. Das ist laut Jefe aber kein Problem, einfach abflexen und die richtige Aufhängung anschweißen. Das geht schon! Ok, nachdem Dilemma in Medellín entscheiden wir uns spontan für die Monroe Stoßdämpfer inklusive Einbau. Während wir uns noch fragen wo denn die Werkstatt für den Wechsel der Dämpfer ist, liegt auch schon ein Mann unter unserem Auto und montiert die alten Stoßdämpfer ab - direkt am Straßenrand an einer viel befahrenen Straße! Wir fürchten um die Beine des Mechanikers, die gerne mal auf die Straße ragen…Aber was sollen wir sagen: Die Jungs verstehen ihr Handwerk und 2 Stunden später haben wir nigalnagelneue Stoßdämpfer, die gut sitzen und beim Fahren einen guten Eindruck machen. Und preiswert noch dazu, denn der ganze Spass hat nur ca. 70 Euro gekostet (Monroe Stoßdämpfer, Umschweißen und Einbau). Derartige Dienstleistungspreise werden wir dann auch vermissen wenn wir mal wieder in Deutschland sind.

Da uns Popayan nicht gefällt und uns noch genug Zeit bleibt fahren wir zu den nahe gelegenen Thermalquellen Aqua Tibia. Die Anlage besteht aus 3 Becken und das Schöne an diesen Quellen ist, dass man auf dem Gelände (gegen ein entsprechendes Entgelt) campen darf und die heißen Quellen somit auch nachts mit Blick auf den wunderbaren Sternenhimmel genießen darf. Das ist schon besonders!

Di

01

Jul

2014

Silvia

Gemeinsam fahren wir weiter nach Silvia, einem kleinen Ort mit einem sehr authentischen Dienstags-Markt. Hier dominieren nicht Menschen in Jeans und Outdoor Bekleidung sondern die einheimische, größtenteils indigene Bevölkerung trägt stolz ihre traditionellen Trachten. Bunte Röcke, Ponchos und Filzhüte so weit das Auge reicht. Wir fühlen uns sogleich in eine andere Welt versetzt. Auf dem Markt gibt es reichlich Obst und Gemüse und wir freuen uns, hier einkaufen zu können. In Silvia trennen sich dann vorerst die Wege von unseren amerikanischen VW Bus Freunden und für uns geht es nach Popayan.

Mo

30

Jun

2014

Buga – WM-TV und Bier…

Mit Rachel und George treten wir die Weiterfahrt nach Süden an. Unser Ziel heißt Buga, ein bekannter Wallfahrtsort. Wir hingegen wollen die Stadt nicht wegen der Kathedrale besuchen (jemand überrascht?!) sondern pilgern brav ins „Holy Water Ale Café“ um frisch gebrautes Bier zu trinken und WM-TV „Deutschland – Algerien“ zu schauen. Na ja, das Fussballspiel wird nicht in die Geschichte eingehen, aber das Bier ist ganz gut und leckere Pizza gibt es auch…

In Ermangelung eines Campingplatzes parken und nächtigen wir sicher und ruhig in einem mit Tor verschlossenen Hinterhof und fahren morgens weiter, und zwar über die „Autopista del Café“ die durch ein riesiges Kaffeeanbaugebiet führt.

Do

26

Jun

2014

Salento und das Valle de Cocora (1800 -2400 m)

Es geht wieder hinab in tiefere Lagen und am Abend erreichen wir den Ort Salento, vor dessen „Toren“ wir einen schönen Campingplatz mitten im Grünen finden. Am nächsten Morgen steht dann erst mal Fussball auf dem Programm. Der Campingplatzbesitzer schaltet in seinem kleinen Kiosk den Fernseher ein und Torsten darf zur besseren Sicht auf den Bildschirm im Kiosk Platz nehmen. Nachmittags fahren wir mit dem Bus nach Salento und bummeln durch das zwar touristische aber schöne Städtchen, bestaunen die an jeder Ecke angebotene Handwerkskunst und genießen die wunderbaren Blicke auf die umliegenden Berge. Bei einem guten Cappuccino (oder war es Bier?) gibt es auch noch WiFi und so melden wir uns mal wieder bei Heidi und Jean-Luc. Umgehend kommt die Antwort, dass die beiden auch in Salento sind. Was für ein Zufall! Spontan genießen wir mal wieder einen schönen Abend zu viert.

Am nächsten Tag geht’s für uns dann noch ein wenig weiter ins Tal hinein zum „Valle de Cocora“. Hier wachsen Wachspalmen die bis 60 Meter hoch werden und das auf einer Höhe von 2400 Metern. Weltweit einzigartig. Und schon wieder treffen wir auf liebe Bekannte: Rachel und George haben sich mit ihrem VW Bus auch auf den Campingplatz „Donde Juan B“ verirrt. Da ein paar Wolken im Tal hängen verschieben wir die geplante Wanderung auf den nächsten Tag und verbringen den Tag mit Kaffee trinken und Quatschen. Auch nicht schlecht! Am nächsten Morgen wollen wir zu viert um 7:00 Uhr los – aber es regnet. Also verlängern wir das Frühstück und brechen dann doch noch auf, bevor die Touristen ins Tal strömen. Ein von Pferden ausgetrampelter Weg führt erst flach dann stetig bergan durch ein schönes Bachtal mit üppig-grünen Almwiesen, mündet dann schlagartig in einen Nebelwald und nach etwa 2 Stunden erreichen wir Acaime, eine kleine Hütte mit Kolibri-Aufzuchtstation,  die wir gegen Entrichtung einer kleinen Gebühr besuchen und von den vielen unterschiedlichen Kolibris begeistert sind. Im Preis inbegriffen ist eine Tasse mit leckerem heißen Kakao und ein Stück Käse. Von Acaime wandern wir eine Dreiviertelstunde weiter, es geht steil bergauf und vom Nebelwald gelangen wir zur hoch gelegenen Finca la Montana, die im Kiefernwald liegt. Da wieder Wolken aufziehen ist die Sicht nicht ganz so toll. Danach geht es dann auf einem Fahrweg abwärts durch das „Valle de Cocora“. Zum Glück lässt sich die Sonne immer wieder mal blicken und spätestens hier kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus und aus allen möglichen Blickwinkeln wird fotografiert. Wunderschön ist es hier! Der Blick auf das grüne Tal und die schlanken, riesigen Wachspalmen ist sensationell. Eine absolut empfehlenswerte Rundwanderung von etwa 9,5 km und 4-4,5 Stunden! Wer weniger wandern will sollte auf jeden Fall ca. ½ Std. Richtung „Palmental“ laufen oder aber ein Pferd mieten. Die Blicke sind zwar auch schon von der Straße super – aber weiter oben ist der Blick gigantisch. Zur Krönung des Tages belohnen wir uns mit frischen Erdbeeren mit Sahne und später mit einem leckeren Abendessen im Restaurant am Campingplatz.

Der nächste Tag ist ein Sonntag und da ist ganz Kolumbien auf den Beinen. Ins Valle de Cocora strömen Tagesbesucher und das Restaurant am Platze ist randvoll. Wir sitzen zu viert vor unseren Autos und genießen den Tag, allerdings ist an Ruhe nicht zu denken. Unzählige Kolumbianer kommen zu uns, belagern uns regelrecht, wollen gerne die Autos von innen sehen und stellen Fragen über Fragen. Fürchterlich nett sind sie alle aber irgendwann sind wir vier müde und ergreifen die Flucht. Wir fahren nach Salento, kaufen ein paar Sachen ein und verlagern unser Camp wieder außerhalb der Stadt zum „El Rancho de Salento“. Hier ist es herrlich ruhig und wir machen gemeinsam ein schönes Barbeque und schlürfen ein paar leckere Drinks.

Di

24

Jun

2014

Parque Nacional Los Nevados und Termales Los Ruiz

Es ist leicht bewölkt – keine guten Vorzeichen um den schneebedeckten Gipfel des 5321 m hohen Nevado del Ruiz (zweithöchster aktiver Vulkan auf der Nordhalbkugel) zu sehen. Aber Versuch macht klug und so beschließen wir die gut 70 km Richtung Nationalpark zu fahren und unser Glück zu versuchen. Die Straße ist wie immer sehr kurvig und wir kommen nur langsam vorwärts. Positiv überrascht sind wir von der Tatsache, dass nur die letzten 2 km zum Nationalpark nicht asphaltiert sind. Als wir um 15:00 Uhr am Nordeingang ankommen ist es schon zu spät für eine Besichtigung des Parks, denn der Eintritt ist nur mit Guide erlaubt. Noch dazu hat sich das Wetter nicht wirklich gebessert – dann kommen wir eben morgen früh wieder. Ohnehin wollen wir uns noch ein wenig akklimatisieren.

Da kommen uns die nur 10 km entfernt und 500 Höhenmeter tiefer gelegenen Thermalquellen gerade recht. Gut die Hälfte der Strecke verläuft über eine Rumpelpiste aber es lohnt sich, denn wir können den ganzen Abend im super warmen Wasser planschen, den nahegelegenen kleinen Wasserfall bestaunen, verspeisen im Restaurant die weltbeste Forelle und dürfen gratis auf dem Parkplatz übernachten. Wir lernen zudem noch drei super nette Kolumbianer kennen und verbringen einen kurzweiligen Abend.

Am nächsten Morgen finden wir uns pünktlich um 08:00 Uhr am Parkeingang ein um an der ersten Führung teilzunehmen – ist das Wetter in den Bergen doch morgens immer ein wenig besser J. Mit uns warten schon 4 weitere Fahrzeuge darauf, dass es endlich los geht. Doch zunächst gibt es noch eine ausführliche Erklärung des Rangers (claro, en Espanol), die Parkgebühren müssen an einem anderen Schalter entrichtet werden und so verrinnen die schönen Minuten mit Sonnenschein und klarer Sicht bereits vor dem Parkeingang. Als wir endlich los dürfen hat das Taxi, welches an erster Stelle der Fahrzeuge steht, einen Platten. Und da Gypsy ja ein wenig nach Offroad und Abenteuer aussieht werden wir natürlich auch gleich gefragt ob wir einen Kompressor dabei haben. Si, claro! Also schnell die Alubox aufmachen, den Kompressor suchen und finden und den Reifen aufpumpen, was wie folgt abläuft: Während der Taxifahrer samt seinen Passagieren gemütlich im Auto sitzt und etwa 10 Zuschauer vor Ort sind, betätigt sich Torsten als Pannendienst! So, das wäre dann auch geschafft – nun geht’s aber endlich los. Blöd nur, dass jetzt die Wolken schon reingezogen sind und uns der freie Blick auf den Vulkan leider verwehrt bleibt. Es ist windig und kalt und Strickmütze und dicke Jacke kommen zum Einsatz. Wir genießen trotzdem die Fahrt durch die interessante Parklandschaft mit mehreren Stopps und Erklärungen des Rangers und bestaunen insbesondere die Paramo-Palmen sowie die Kraterlandschaften, die die letzten Vulkanausbrüche hinterlassen haben.

Do

19

Jun

2014

Tolle Tage auf der Hacienda Venecia

Natur ist angesagt! Von Medellin rollen wir südwärts und erreichen bald die wunderschöne und vor allem sehr grüne Zona Cafetera, die Kaffeezone. Auch die Straße heißt nun „Autopista del Café“ und überall wachsen Kaffeesträucher. Auf jedem Quadratmeter wird Kaffee angebaut – Hochland-Kaffee versteht sich. Die Hänge sind teilweise sehr steil und die Sträucher tragen reichlich Kaffeekirschen.

In der Nähe der Stadt Manizales biegen wir ab zur Hacienda Venecia. Hier wird nicht nur Kaffee angebaut sondern es gibt auch ein schönes Gästehaus inmitten eines tollen Gartens, mit Pool und Hängematten und Wohnmobil-Stellplatz sowie ein Haupthaus mit etwas luxuriöseren Zimmern.

Wir wissen, dass unsere Motorrad-Reisenden Heidi und Jean-Luc auch hier sind und am Abend treffen zufällig auch Rachel und George mit ihrem VW Bus ein. Ein tolles Wiedersehen! Tagelang verbringen wir zusammen auf der schönen Hacienda, kochen selbst, lassen uns bekochen, essen, trinken kostenlosen Kaffee, schlürfen Bier und Wein, lesen, häkeln, gucken Fußball Weltmeisterschaft, machen einen Rundgang über das große Gelände, chillen in Sesseln oder Hängematten, lernen viel über Kaffee-Anbau, genießen das Leben und sehen am nächtlichen Sternenhimmel erstmals das Kreuz des Südens! Jawohl, wir sind fast am Äquator!

Auf der Hacienda fühlen wir uns mehr als wohl und es ist schwer, von hier wieder weg zu kommen. Noch schwerer fällt insbesondere Doris der Abschied, nachdem Juan-Pablo, Manager der Hacienda, erwähnt, dass er drei Pferde besitzt, genauer gesagt Paso Finos. Der sympathische Manager will herausfinden, ob er zukünftig Ausritte für erfahrene Reiter anbieten soll und es fehlt ihm sozusagen an freiwilligen Testpersonen. Er lädt Lizzie aus Schottland und mich spontan ein, ihn am nächsten Morgen um 06.30 Uhr zu einem Ausritt zu begleiten. Eigentlich wollen wir morgen früh abreisen – aber das Angebot ist zu verlockend! Morgens regnet es zwar immer wieder mal aber der Ausritt lässt das Wetter vergessen. Die Pferde sind recht temperamentvoll und wir reiten im Eiltempo bergauf und bergab, erkunden große Teile der Hacienda und es macht höllisch Spaß! Ob wir vielleicht doch ein Pferd hinten an Gypsy festbinden können? Juan-Pablo hat eine bessere Idee: Wir sollen einfach unsern Aufenthalt verlängern und Lizzie und ich können kostenlos die Pferde reiten und trainieren, als Volontäre sozusagen. Klingt verlockend…Vielleicht können wir da in ein paar Monaten nochmal drüber reden…?!

Mo

16

Jun

2014

Piedras Blancas & Medellin

Es ist nicht mehr weit bis nach Medellin aber wir wollen ungern mit dem Auto in diese 2,2 Mio. Einwohner Stadt. Unser Reiseführer erwähnt Campingmöglichkeiten im Parque Ecologico Piedras Blancas am Stadtrand von Medellin. Wir erreichen den Park, der zu einer renommierten kolumbianischen Hotelkette gehört und sind überrascht, welch modernes Hotel in gehobener Preisklasse sich hier befindet. Ob die uns hier campen lassen? Die Rezeptionistin bejaht unsere Anfrage, kassiert pro Nacht satte 34.400 Pesos und schon dürfen wir etwa 200 m weiter unten an der Einfahrt zum Park campen – mit Zelt auf der Wiese im Park oder im Auto auf dem bewachten Parkplatz. Wir nächtigen natürlich im Auto und der Wachmann freut sich über Gesellschaft. Am nächsten Morgen sehen wir uns erst mal im Park um: ein tolles und gepflegtes Gelände mit kleinen Spazierwegen, Snack-Bar, WiFi, Fußball-TV und einem kleinen Schmetterlingsgarten. Es ist ein sonniger Tag und wir lassen die Seele baumeln. Morgen ist ja auch noch ein Tag!

Vom Park fährt ein Bus-Shuttle zur nahe gelegenen Seilbahn (Metro Cable), mit der man in Kombination mit der Metro ins Zentrum von Medellin fahren kann. Die moderne Seilbahn (frz. Technik) fährt vom Naturpark Arví etwa 20 Minuten über ein weitläufiges Waldgebiet, dann schwebt die Gondel über und bis ins Armutsviertel von Medellin. Der Anblick der Bretterbuden, Baracken und lehmigen Gassen ist schockierend – aber auch das ist Kolumbien. Ein Land, das große Fortschritte macht aber noch immer sehr große Probleme hat. Den Bewohnern der Armenviertel ist es durch die Anbindung an die Metro möglich, auf einfachem und günstigen Weg in die Stadt zu gelangen, sei es um einer Beschäftigung nachzugehen oder Erledigungen zu machen. So haben die Metro Anbindung und weitere Investitionen dazu verholfen, dass sich die Lage in den Armenviertel ein wenig verbessert – obwohl es noch viel, viel zu tun gibt. Wir steigen also aus der Gondel und wechseln zur Metro. Die Züge fahren fast im Minutentakt und schon sind wir im Zentrum. Wir schlendern über ein paar Plazas, werfen den ein oder anderen Blick in eine der Kirchen und Kathedralen und der berühmte Platz mit den Bronze-Statuen des Künstlers Botero gefällt uns gut. Insgesamt sind wir aber nicht begeistert und suchen noch nach dem Charme der Stadt. Der einst berühmteste Bürger von Medellin war der Drogen-Baron Pablo Escobar. Man kann auf verschiedenen Touristen-Touren Orte seines Lebens und Wirkens besuchen, einschließlich seiner Grabstätte. Wir entscheiden uns jedoch gegen eine solche Tour, da es sich bei Pablo Escobar ja um einen brutalen Verbrecher handelt und wir seinem Tun nicht huldigen wollen. Bestimmt hat Medellin auch viele schöne Dinge zu bieten, den Botanischen Garten beispielsweise oder das Observatorium. Da wir aber nur einen Tag in der Stadt verbringen wollen können wir nicht alles sehen.

Außerdem suchen wir ein Mitbringsel für den Landy: Neue Stoßdämpfer sollen es sein. Wir haben einen Tipp für einen Händler in der City bekommen und nach zehn Telefonaten mit bis zu drei Telefonen gleichzeitig schafft es der Besitzer auch, uns Stoßdämpfer zu besorgen. Die Teile-Nummer entspricht nicht unserem Wunschmodell aber er versichert uns, dass die Teile passen und gewährt im Falle eines Falles Umtausch bzw. Geldrückgabe. Um es kurz zu machen: Natürlich passen die Stoßdämpfer nicht und wir fahren nach einer weiteren Nacht im Parque Piedras Blancas am nächsten Morgen dann mit dem Auto in die Großstadt, geben die Teile zurück und erhalten problemlos unser Geld zurück.

Sa

14

Jun

2014

Guatape und El Penol

Guatape zählt nur 2000 Einwohner, besticht durch kleine Gassen und ist berühmt für bunte, kunstvolle Sockel-Verkleidungen an den Häusern. Ursprünglich wurden diese Verkleidungen angebracht um die Häuser vor dem Picken der Hühner und den Ball spielenden Kinder zu schützen, heute sind sie so etwas wie das Wahrzeichen des Dorfes. Meist ist das Motiv dem Geschäftszweck des Hauses angepasst: Billiard-Spieler weisen auf eine Kneipe mit Billiard hin, ein Tuc-Tuc auf das Personenbeförderungsunternehmen.

Doris beschließt, dass es mal wieder Zeit für einen Friseurbesuch ist. Ein kritischer Blick auf den Salon und die vermeintliche Dame vom Fach - schon kann es losgehen. Denkste! Die freundliche, junge Dame entpuppt sich als Putzfrau. Die Chefin wird nebenan gerufen, ist gut und gerne 65 Jahre und trägt selbst nicht gerade den modischsten Haarschnitt. Nun ja, jetzt wieder weggehen ist ja auch peinlich, also Mut zum Risiko. Die Señora versteht ihre Aufgabe: blonde Strähnen und Haare schneiden bitte. Zwar schneidet sie zuerst die Haare in einer unbekannten Technik und statt der gewohnten Foliensträhnen macht Señora Hauben-Strähnen (das ziept höllisch bei langen Haaren!), aber nach der anfänglichen Skepsis ist das Resultat dann wirklich sehr gut. Tadellos! Und günstig dazu: umgerechnet 19 € inklusive sattem Trinkgeld.

Torsten genießt derweil das hervorragende Auftaktspiel von Deutschland gegen Portugal in der benachbarten Kneipe mit super leckerem kolumbianischen Kaffee – für Bier ist es einfach noch zu früh J.

Sonntags fahren wir zum Nachbarort El Penol – auch Der Fels genannt. Der Ortsname bezieht sich auf den 220 m hohen Granitfelsen – ein imposanter Monolith. Vom Parkplatz am Fuße des Felsbrockens hat man bereits eine tolle Sicht auf die Umgebung. Für 10.000 Pesos Eintritt pro Person kann man aber ganz nach oben auf den Felsen. Zwar ist die in einen Felsspalt eingelassene Betontreppe häßlich, aber der Aufstieg der insgesamt 740 Stufen bis auf den Aussichtsturm lohnt sich. Ein fantastischer 360° Rundblick über die tolle Landschaft und den (zwar künstlichen) See mit unzähligen kleinen Inseln, der fast wie eine Fjordlandschaft wirkt. Am Ufer stehen geschmackvolle Häuser, auf dem See fahren kleine Boote umher und es ist friedlich und erholsam. Hier hätten wir auch gerne einen Zweitwohnsitz!

Im angrenzenden Restaurant essen wir noch lecker zu Abend und als wir zum Auto zurück kommen posieren mal wieder etliche Kolumbianer vor dem Landy. Kinder werden auf der Motorhaube postiert und auch Erwachsene klettern beherzt auf die Haube – das geht uns dann doch ein wenig zu weit und Torsten macht deutlich, dass alle gerne vor und mit dem Auto posieren dürfen aber nicht darauf. Ok, das haben sie verstanden und die Foto-Session geht ohne Klettern aber immer mit Auto-Kontakt weiter. Wir sind froh, als die letzten Tagesbesucher vom Parkplatz rollen denn wir dürfen hier über Nacht bleiben und haben einen tollen Blick auf den Sonnenuntergang.

Fr

13

Jun

2014

Berge, Täler, Kurven – ein langer Fahrtag bis zum Rio Claro

Vom Stadtrand Bogotás entfernen wir uns früh morgens und verbringen einen langen Fahrtag auf Kolumbiens verkehrsträchtigen Straßen. Wir berappen wieder ein nettes Sümmchen Maut und quälen uns mit Gypsy über unzählige Berge, durch ebenso viele Täler und mindestens 1000 Kurven. Meistens ist die Strecke nur einspurig in jede Richtung und es wimmelt mal wieder von LKWs, Bussen, Mopeds und nervigen Baustellen. Glücklicherweise ist die Landschaft sehr ansprechend: Kaffeeplantagen wechseln sich ab mit Weideland und Rinderfarmen und je weiter wir ins Tiefland kommen, desto tropischer werden Vegetation und – was wohl – die Temperaturen.

Wir kommen am späten Nachmittag im privaten Naturreservat Rio Claro an und können gleich hinter dem Eingangsportal campen. Die eigentliche Campingwiese ist für Fahrzeuge leider nicht erlaubt aber der Platz ist trotzdem okay und ruhig.

Morgens machen wir im Reservat eine mehrstündige Wanderung durch den schönen Marmor Canyon. Die Wände des Canyons sind üppig bewachsen und wir entdecken einen wunderschönen Tukan im Gebüsch. Es ist kuschelig warm und wir erfrischen uns bei einem kühlen – nein, nicht Bier – sondern einem Bad im Rio Claro.

Unser nächstes Ziel ist nicht weit entfernt und so erreichen wir spätnachmittags Guatapé. Der vermeintliche Campingplatz existiert leider nicht mehr aber im Blickfeld der Polizeistation und ganz nah am Wasser ist ein Parkplatz auf dem wir nach Rücksprache mit der Polizei gerne übernachten dürfen – gratis. Am Abend bricht ein schweres Gewitter herein und der ganze Ort ist stundenlang ohne Strom – nur in Gypsy brennt Licht J.

Mi

11

Jun

2014

Auf zur Hauptstadt Kolumbiens: Bogota

In Zipaquira erhalten wir den Tipp, dass wir am Stadtrand von Bogota bei den großen Einkaufszentren parken und bestimmt auch übernachten können. Das klingt gut und am frühen Nachmittag erreichen wir das „Centro Comercial Chia“, wo wir auch zu den normalen Parkgebühren übernachten dürfen. Nach einem kurzen Bummel durch die Läden entscheiden wir uns jedoch den nahe gelegenen Land Rover Händler aufzusuchen. Der Stopp dort entpuppt sich als Fehlanzeige – keine Ersatzteile für den Defender und so richtig hilfsbereit ist man hier scheinbar nur, wenn man einen Neuwagen ordern will. Da wir uns nun der Stadtgrenze noch etwas genähert haben stoßen wir auf ein weiteres Einkaufszentrum, das „Centro Comercial & Outlet BIMA“. Der Sicherheitsmann am Parkplatzeingang ist sich ganz sicher, dass wir hier übernachten dürfen – wir müssen nur oben in der Verwaltung Bescheid geben. Klingt einfach und so trabt Doris los um den Platz für die Nacht klar zu machen. Blöd nur, dass die Damen im Büro von dem Anliegen gar nicht begeistert sind und den Fall auch noch nie hatten. Da hilft nur hartnäckig bleiben, Einkaufsabsichten im Centro äußern, die Reise erläutern, immer wieder schwärmen wie schön Kolumbien ist und unwiderstehlich freundlich lächeln. Zwei der Damen wollen nun Gypsy sehen und sind sogleich voll begeistert. Sie versichern dem höchsten Sicherheitschef, dass wir „anständige Leute“ sind und nach etwa einer Stunde spanischer Kommunikation dürfen wir hier ebenfalls gebührenpflichtig nächtigen. Abends kommen die Parkwächter auf modernen Segways herangerollt und freuen sich mit uns, dass wir hier parken dürfen und so werden wir besonders gut  und nett bewacht. Das Outlet-Center entpuppt sich zudem noch als gute Klamotten-Einkaufsgelegenheit J

Das BIMA-Outlet hat zudem eine Busanbindung ins Zentrum. Wunderbar – wir können Gypsy hier stehen lassen und nehmen morgens den Bus. Eine nette Dame „nimmt uns an die Hand“: Sie erklärt uns Buslinien und Fahrpreise, geleitet uns zu den entsprechenden Abfahrstellen, weist uns beim Umsteigen den richtigen Weg und wünscht uns einen tollen Tag in Bogotá.

Kolumbiens Hauptstadt Bogotá zählt ca. 8,25 Mio. Einwohner und liegt auf einer beachtlichen Höhe von 2600 m über dem Meeresspiegel. Die Tagesdurchschnittstemperatur liegt bei nur 14°C. Im historischen Zentrum La Candelaria gibt es schöne Kolonialbauten und steile Pflasterstraßen mit Cafés, Restaurants, Läden aller Art sowie Theater und Museen. In den umliegenden Geschäftszentren dominieren Hochhäuser das Bild Bogotàs.

 

Wir landen mit dem Bus problemlos im Zentrum und machen uns auf den direkten Weg zum „Museo del Oro“, dem weltberühmten Gold-Museum. Für nur 3000 Pesos/Person können wir das Museum anschauen, welches zur „Bank de Bogotá“ gehört. Stundenlang erkunden wir verschiedene Etagen und Ausstellungsräume und sind restlos begeistert. Wer glaubt, hier gibt es langweilige Goldbarren zu sehen, der irrt. Das Museum präsentiert mehr als 34.000 Fundstücke aus den wichtigsten Epochen der Prä-Spanischen Zeit und es handelt sich um verblüffend filigran gestalteten Schmuck, Opfergaben und Figuren aus Kolumbien. Auch einige Töpfer-, Leder- und Textilwaren sind ausgestellt. Allesamt sind die Objekte kunstvoll arrangiert und meist mit guten Informationen auf Spanisch und Englisch versehen. Wir können uns gar nicht satt sehen an diesen tollen Fundstücken. Den „Saal der Opfergaben“ betritt man bei völliger Dunkelheit, die Tür wird verschlossen und dann beginnt eine musikalisch unterlegte Licht-Show, bei der die goldenen Opfergaben angestrahlt werden und das menschliche Auge kaum noch weiß, wohin es schauen soll. Wir gönnen uns dieses Schauspiel gleich zweimal und sind fasziniert. Im Museum gibt es auch einen ganz besonders wertvollen Schatz zu sehen, ein wunderschön gestaltetes, kleines Floss – eine ganz besondere Opfergabe, die ein Ritual der indigenen Bevölkerung der Muisca porträtiert. Die Geschichte besagt, dass die Lagune Guatavita ein Heiliger Ort war und bei religiösen und spirituellen Zeremonien dort ein Floß zu Wasser gelassen wurde. Das Floß trug den nackten, nur mit Goldstaub eingepuderten Stammeshäuptling sowie einige seiner Schamanen, die Jaguarmasken trugen. Der Häuptling stieg dann ins Wasser und der feine Goldstaub wurde abgewaschen. Dieses Ritual wurde mit kostbaren Opfergaben gefeiert, die dann in die Lagune geworfen wurden – so vermutlich auch das etwa 10 x 10 cm kleine Opfer-Floß – eine Augenweide! Es ist unglaublich, welch kunsthandwerkliches Geschick die Muisca Indianer beherrschten und welche Kostbarkeiten diese Menschen besaßen.

Wir sind normalerweise keine großen Museumsgänger aber das Museo del Oro ist für uns eines der Schönsten und Interessanten was wir bisher gesehen haben.

Nach so viel Kultur sind wir durstig und hungrig und lassen uns in einem Restaurant zu zwei kolumbianischen Spezialitäten überreden und sind zufrieden mit unserer Wahl. Dann noch ein bißchen durch die Stadt schlendern und per Bus zurück zu unserm Parkplatz. Dort angekommen werden wir schon von der herzigen Nachtwächterin begrüßt und sie ist stolz darauf, dass Kolumbien so viel zu bieten hat und es uns Deutschen gefällt. Sie erklärt, dass wir gerne noch eine weitere Nacht auf dem wirklich ruhigen Parkplatz stehen können, was wir gerne machen. Am nächsten Morgen ist die Kassendame dann beim Auslesen des Parktickets sehr überrascht und hält die angezeigte Anzahl an Stunden und den Preis für einen Systemfehler. Sie ist mehr als irritiert als sie erfährt, dass wir hier 2 Nächte geschlafen haben. Wir sind mit der Wahl unseres Park- und Campingplatzes sehr zufrieden und zucken beim Preis von nur 23.500 Pesos nicht mal mit der Wimper.

Di

10

Jun

2014

Salz-Kathedrale Zipaquira

Die Salz-Kathedrale von Zipaquira wird in Kolumbien als DIE Touristen-Attraktion vermarktet. Fotos und Berichte sind vielversprechend und so begeben wir uns zum Eingang und wählen aus 6 verschiedenen Ticket-Optionen das Günstigste. Für 23.000 Pesos pro Person können wir die Salz-Kathedrale besichtigen (mit Führung), eine Light-Show und einen 3D-Film anschauen und dürfen auch gerne unser Geld an den Souvenirständen lassen. Da wir auf eine englischsprachige Führung eine knappe Stunde warten müssen entscheiden wir uns für die Spanische. Die Dame spult ihre Ansagen im Schnelltempo ab und rennt nach ihrer Erklärung sofort zum nächsten Punkt weiter. Unsere Kleingruppe besteht nur aus 4 Personen und wenn jemand zum Fotografieren stoppt ertönt die Stimme unserer „Anführerin“ mit dem Kommentar „Continuamos!“ Heißt so viel wie „Weiter geht‘s!“ Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen und bleiben so lange stehen und machen Fotos so lange es uns passt. Die Gruppe zieht ohne uns weiter und wir merken, dass es anderen Leuten auch so ergeht – geistern doch einige nun alleine umher. In den diversen Stollen der Mine ist ein Kreuzweg dargestellt – allerdings muss man schon eine Menge Fantasie mitbringen um in den aus Salzkristall gehauenen Kreuzen den Leidensweg Jesu zu erkennen. Zwar sind die Kreuze allesamt unterschiedlich gestaltet und farblich ansprechend in Szene gesetzt, jedoch sind es nur Kreuze. Die dazugehörigen Beschreibungen wie „Jesus fällt zum ersten mal“ oder „Maria sieht ihren Sohn“ sind aber weit hergeholt – denn es ist kein Jesus und auch keine Maria zu sehen.

Was soll’s. Es gibt noch ein paar schöne Engel aus Salzkristall zu sehen und im tiefen Inneren der Salzmine gibt es auch tatsächlich eine sehr große Kathedrale mit ein paar anderen Kunstwerken aus Salz. Die Light-Show findet in einem separaten Stollen statt und ist ganz nett – Tausende bunte LED-Lämpchen an der Decke ergeben schöne Bilder, das Ganze ist mit fetziger Musik unterlegt. Der 3D-Film ist zwar sehr modern gehalten, verfehlt aber unserer Meinung ein wenig das Thema. Am Ende des Minen-Rundgangs erwartet den Besucher eine große Anzahl an Souvenirständen, ein Café und eine Snack-Bar runden das Angebot ab – zuviel des Guten. Unser Fazit: Irgendwie beeindruckend aber kein Muss! Nemocon hat uns besser gefallen.

Mo

09

Jun

2014

Guatavita / Nemocom

Keine Überraschung, wir kommen natürlich bei all den Verabschiedungen erst relativ spät in Villa de Leyva los. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn wir wollen ja nur ein paar Kilometer weiter zum Iguaque NP. Die letzen 3 km zum Park sind mal wieder vom Feinsten und wir quälen uns in Schrittgeschwindigkeit die grob geschotterte Piste den Berg hinauf. Um 11:15 Uhr oben angekommen sind wir dann ein wenig „irritiert“. Unsere geplante Wanderung zur Laguna Iquaque dürfen wir nicht mehr antreten, denn der Start ist nur zwischen 08:00 – 10:00 Uhr möglich, da der Zeitbedarf mit 5-6 Stunden angegeben wird. Alternativ-Wanderwege gibt es nicht aber wir dürfen gerne auf dem Parkplatz campen. So weit so gut, aber 2 x 38.000 Pesos Eintritt für Ausländer plus 28.000 Pesos Parkgebühr (weil Gypsy als Collectivo eingestuft wird) sind uns dann für eine Wanderung definitiv zu viel. Da sagen wir dann auch mal „Nein danke“ und machen nicht mit bei der Preistreiberei. Immerhin ist die Eintrittsgebühr in den vergangenen 10 Jahren um gut 500% gestiegen. Irgendwann ist das Maß dann voll und wir sind der Meinung, dass wir als Langzeitreisende noch viele andere lohnenswerte Wanderungen zum fairen Preis und oft auch gratis machen können.

Also rumpeln wir den Waldweg wieder hinunter und machen uns den Weg nach Suesca und weiter nach Guatavita. Da wir relativ spät ankommen entscheiden wir uns für eine Übernachtung auf dem großen Gemeindeparkplatz direkt vor der Polizei – sicher, gratis und ruhig. Am Morgen ist es regnerisch und so verzichten wir auf die nahe gelegene Lagune Guatavita. Statt dessen fahren wir ein paar Minuten bis zur Salzmine in Nemocon. Dort werden wir super freundlich empfangen und machen eine englischsprachige und sehr interessante Führung durch das Salzbergwerk. Wir sind total begeistert! Die Mine ist stilvoll beleuchtet, es gibt eine kleine Kapelle und am meisten fasziniert uns das „Spiegelwasser“ – eine tolle Illusion. Außerdem ist in Nemocon der mit 1600 kg angeblich größte Salzkristall der Welt zu sehen – in Form eines Herzens! Ein Besuch der Mine ist sehr empfehlenswert!

Am Nachmittag düsen wir dann noch weiter nach Zipaquira. Wie fast überall in Kolumbien gibt es auch in Zipaquira zahlreiche Restaurants und freundliche „Winker“, also Angestellte, die versuchen die Gäste mit Fahnen oder anderen Gegenständen in das Restaurant zu lotsen. Heute wird uns sogar eine Kostprobe vom leckeren Rindfleisch direkt vom Grill ins Auto geliefert! Hmhmhm, lecker! Okay – der Verkehr hinter uns gerät ins Stocken aber wir sind ja in Kolumbien und da stört das wirklich niemand. Das Fleisch ist das Beste, was wir seit Wochen gegessen haben und so parken wir Gypsy am öffentlichen Parkplatz unterhalb der Salz-Kathedrale und schlendern noch ein wenig durch die schöne Altstadt. Ein netter Ort! Natürlich besuchen wir auch das Restaurant mit dem guten Fleisch - gutes Marketing kann sich halt doch lohnen. Leckeres Essen und daher ein weiterer Restaurant-Tipp: „Toro salvaje“.

Mo

02

Jun

2014

Villa de Leyva

Wir sind wieder auf den Wandergeschmack gekommen und fahren nach Villa de Leyva – einer Kolonialstadt. Der Ort liegt auf ca. 2.150 Metern und ist ringsherum von hohen Bergen umgeben. Genau das Richtige für uns. Die Anfahrt gestaltet sich zunächst einfach, aber auf den letzten 30 km begehen wir mal wieder einen klassischen Anfängerfehler: Wir verlassen uns auf die Routenführung des Navi und werden über eine sehr schöne Nebenstraße geführt. Na ja, von Straße kann man da nicht wirklich reden, Pfad ist wohl eher zutreffend. Selbst das Navi sieht dies ein und meldet zwischendurch „Straße in Konstruktion“. Aber anscheinend hat unser Navi schon kapiert, dass wir mit einem Landy unterwegs sind und somit ist das Gerät bei der Straßenwahl nicht mehr wählerisch. Wir holpern also über Stock und Stein und lernen daraus: Besser noch ein zweites Mal auf die Karte schauen bevor es querfeldein geht.

Bei der Ankunft in der Stadt erleben wir gerade noch den letzten Tourismus-Trubel vom Wochenende. Menschenmassen spazieren durch die Stadt und wir fahren natürlich mitten durch die belebte „Marktstraße“ (Danke Navi). So quälen wir uns durch hunderte Kolumbianer um zu unseren Hostel mit Campingmöglichkeit am anderen Ende der Stadt anzukommen. Im Hostal Renacer treffen sich anscheinend alle „Overlander“ und so campieren hier während unseres Aufenthaltes bis zu 6 Camper – womit es auf dem Gelände ziemlich eng – aber auch gemütlich und sehr gesellig wird. Hier verbringen wir dann 7 Tage und haben mächtig Spaß. Wir faulenzen, quatschen viel, fahren mehrfach Fahrrad und gehen über die Bergkette bis zum Ort Sachica wandern. Außerdem besuchen wir das Fossilien-Museum, eine archelogische Stätte mit sexistischen Steinformationen J und bestaunen die schöne Landschaft, die tollen Häuser und fühlen uns bei dem tollen Klima (tagsüber sonnig warm, nachts kühl) pudelwohl. Hier lässt es sich herrlich Entspannen, Lachen, Leben. Colombia – que linda!

Zufällig halten sich Heidi und Jean-Luc auch in Villa de Leyva auf und wir begießen unser Wiedersehen mit ein paar Bier (Club Colombia) und machen den ganzen Nachmittag und den sehr späten Abend die Stadt und die „Dorfkneipe“ unsicher. Zum Glück sind wir mit den Fahrrädern unterwegs und so ist der Rückweg zum Hostal schnell gemeistert. Schön ist es mit den beiden – hoffentlich bis bald irgendwo in Südamerika.

Sa

31

Mai

2014

Barichara

Nach der langen Fahrt erreichen wir endlich Barichara - was für eine schöne und ruhige Stadt! Der kleine, sehr beschauliche Ort gefällt uns auf Anhieb. Während in den sogenannten Kolonialstädten häufig „nur“ der Stadtkern sehr schön restauriert wurde, ist in Barichara das komplette Dorf in einem exzellenten Zustand und komplett im gleichen Stil erbaut. Hier fühlen wir uns sofort wohl. Beim Schlendern durch den Ort finden wir nur einige Meter vom Mirador (Aussichtspunkt) entfernt einen fantastischen Stellplatz - direkt an der wunderschönen Schlucht gelegen. Unmittelbar neben unserem Stellplatz geht es tief hinab in die Schlucht, mit imposanten Blicken in die gewaltige Schlucht. Für uns mindestens genauso imposant wie der Chicamocha Canyon, aber viel grüner!

Nach einer ruhigen und kühlen Nacht wandern wir am nächsten Tag knapp 6 km entlang des Camino Real, einem schönen Wanderweg, hinab entlang der Schlucht in das schöne Nachbardorf Guane. Und da wir ja aktiv sein wollen geht es auch per Pedes wieder zurück – dieses mal ausschließlich bergauf und bei brennender Sonne. Für diese Anstrengung belohnen wir uns mit einem guten Essen in Barichara und haben einen besonderen Tipp für Liebhaber guten Essens: Das Restaurant/Bar Iguá Náuno befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Mirador und bietet mal ganz andere Küche zu mehr als fairen Preisen und in schönem Ambiente. Wir empfehlen Crêpes mit Zucchini oder frischem Spinat sowie Pesto und Parmesan– super lecker!

 

Fr

30

Mai

2014

Chicamocha Nationalpark

Der Chicamocha Nationalpark umschließt den gleichnamigen Canyon und liegt direkt an der spektakulären Hauptstraße. Von hier hat man einen fantastischen Blick über den riesigen Canyon. Neben diesem Naturschauspiel wird im Park ein großes Angebot für die vergnügungslustigen Kolumbianer geboten. Die zweitlängste Seilbahn der Welt (behauptet zumindest der Pförtner) führt in den Canyon hinab und auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinauf, dann gibt es noch Ziplines, eine Tarzan Schaukel (bei der man an einem Stahlseil über dem Canyon hin- und herschwingen kann) und vieles mehr. Uns zieht weder der Vergnügungspark noch die Seilbahn sonderlich an, zumal wir ja mit Gypsy schon die komplette Straße an der einen Seite des Canyons hinunter und auf der anderen wieder hinaufgefahren sind. Wer braucht dann noch eine Seilbahn?  J Wir belassen es bei der genialen Aussicht am Abend und nächsten Morgen und freuen uns, dass wir auf dem bewachten Parkplatz übernachten dürfen.

Mi

28

Mai

2014

Kolumbianischer LKW Verkehr – 2 Tage südwärts durchs Landesinnere

Für uns geht es nun zum ersten Mal Richtung Süden in Kolumbien. Wir wollen zum Chicamocha Nationalpark, aber das ist gar nicht so einfach. Die zu überwindende Strecke ist mit 600 km für deutsche Verhältnisse überschaubar, aber in Kolumbien sind 600 km etwas ganz anderes. Das Land ist von unzähligen Schluchten durchzogen und Berghänge prägen das Bild. Dass überhaupt eine Straße durch dieses Labyrinth führt ist bemerkenswert. Insofern ist es auch verständlich, dass es nur eine Hauptstraße in dieser Region gibt, die Richtung Bogota führt. Wer nach Süden will muss hier lang – und das bekommen wir zu spüren: es reiht sich LKW an LKW, munter gemischt mit Bussen, PKWs und unzähligen Motorrädern. Ab und zu dann noch Fussgänger auch Eselskarren und Pferdekutschen. Überholt wird, wo immer es den Kolumbianern in den Sinn kommt – falls ein anderes Fahrzeug entgegenkommt drängeln sie sich einfach wieder in die Schlange. Frei nach dem Motto: „passt schon“. Wer jetzt glaubt, dass nur PKWs an diesen Überholmanövern teilnehmen, der täuscht sich kräftig. Schwer beladene LKWs (gerne auch mit Gefahrgut) und voll besetze Busse führen die Rangliste deutlich an. Problem nur, dass immer wieder steile Berge dazwischen sind und dann die Power der Gefährte nicht mehr ausreicht. Gerade noch halsbrecherisch überholt, fahren sie dann nur noch mit 10 km/h den Berg hoch und aus den Auspuffrohren qualmt es tiefschwarz – Abgasfilter gibt es hier nicht. Gespickt wird dieses illustre Treiben durch viele Mautstellen (etwa alle 50-70 km werden 3-5 US$ Maut fällig), an denen zahlreiche Verkäufer ihre Produkte anbieten. Diese Geschäftsidee kennen wir ja schon aus Mexiko, aber die Produktvielfalt in Kolumbien ist eher nach unserem Geschmack: Neben allerlei Obst (mundgerecht zugeschnitten) und Gemüse gibt es auch frische Fruchtsäfte oder Kaffee oder auch mal Erdnüsse. Diesen Service nutzen wir sehr gerne und werden das in Deutschland sicher vermissen.

Die Story des Tages passiert dann in Bucaramanga. Laut Reiseführer ist die Stadt auf jeden Fall eine Besichtigung wert aber wir beschließen schon nach den ersten Kilometern einfach nur durchzufahren. Die Stadt quillt förmlich über, wirkt unaufgeräumt und das Verkehrsaufkommen ist immens. Auf uns strahlt Bucaramanga keinen Charme aus. Dann werden wir in einem wuseligen Stadtviertel an einer roten Ampel plötzlich von einem „freundlichen Kolumbianer“ sehr gestenreich darauf hingewiesen, dass unser linker Vorderreifen kaputt ist. Knappe 10 Sekunden später wird das durch einen zweiten Typen bestätigt und mit Handzeichen wird uns klar gemacht, dass wir rechts ranfahren sollen und man uns helfen will. Trotz unserer durchweg sehr positiven Eindrücke von den Kolumbianern bleiben wir misstrauisch denn schließlich haben wir beide beim Fahren nichts bemerkt und der „Reifentrick“ ist unter Reisenden nicht ganz unbekannt. Als dann auch noch ein dritter Kollege quer über die Kreuzung schreit, dass unser Vorderreifen kaputt ist (was er aber aus 10 m Entfernung und dem Blickwinkel gar nicht sehen kann) ist für uns ganz klar, dass die Sache stinkt. Adlerauge sei wachsam! Der Trick: Wir sollen rechts ranfahren, aussteigen und nach dem Reifen schauen. In einem unachtsamen Moment bedient sich dann jemand im Auto und greift zu den Wertsachen (GPS, Handy, was immer greifbar ist). Wir nicken den Typen zustimmend zu und während sie sich schon über fette Beute freuen biegen wir unbeirrt zügig links ab und machen sicherheitshalber ein paar Kilometer weiter einen Reifencheck. Und wie vermutet: alles in bester Ordnung! Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und den Verstand einschalten hilft ungemein in solchen Situationen!

Sa

24

Mai

2014

Auf in kühlere Gefilde – Minca

Die Perle Cartagena zu verlassen fällt uns schwer. Leider trennen sich hier auch vorerst unsere Wege von Heidi und Jean-Luc, sind aber optimistisch, dass wir uns bald wieder begegnen und freuen uns schon darauf.

Am Stadtrand von Cartagena lassen wir bei Cartagas unsere Gasflaschen befüllen (N10.31967 W75.50175 - auch samstags geöffnet) und machen danach noch einen Stopp in einem extrem trubeligen (und nicht schönen!) Stadtteil von Cartagena um einen großen Supermarkt aufzusuchen. Wir parken, steigen aus und schwupps werden wir von mehreren zwielichtigen Typen umlagert, die wild auf uns einreden oder unser Auto bewachen wollen. Hm, ist wohl keine so gute Idee hier zu parken… Ein vorbeifahrendes Auto stoppt und ein gut gekleidetes kolumb. Paar bestätigt unser Mißtrauen, das Auto hier nicht alleine abzustellen. Also schiebt Torsten im/am Landy Wache und Doris erledigt den Einkauf im Laufschritt – blöderweise ist der Laden brechend voll und die Kolumbianer machen gerade Hamsterkäufe. So dauert es an der Kasse eine gefühlte Stunde… Man könnte glauben, wir sind erst drei Tage unterwegs – klassischer Anfängerfehler. Warum hier anhalten? Supermärkte gibt es überall. Nun ja, manchmal fassen wir uns selbst an den Kopf und ermahnen uns, vorsichtig zu sein. Aber heute geht nochmal alles gut!

Der blöde Supermarkt-Stopp führt uns durch extrem wuseligen Stadtverkehr mit Baustellen, Umleitungen und Tausenden von bekloppten Taxi-/Auto-/Bus- oder Mopedfahrern. Regeln und Disziplin gibt es hier nicht. Es wird gehupt, gedrängelt, links und rechts überholt, noch mehr gehupt, wie wahnsinnig gebremst und beschleunigt und auch mal gerne angeeckt – zum Glück nicht an unserem Auto. Busse halten überall, gefühlt alle drei Meter. Taxifahrer transportieren ganze Haushalte (vornehmlich Betten) und machen Wettrennen als ginge es um Leben und Tod. Mopedfahrer schlängeln sich durch nicht vorhandende Lücken und befördern nicht nur schweres Gepäck sondern auch gerne zwei weitere Passagiere. LKWs verlassen sich auf die Macht des Stärkeren und Fußgänger kreuzen immer und überall die Straße. Und weil das noch nicht genug ist gibt es auch noch Straßenverkäufer. Kaffee gefällig? Ladekabel? Lose für die Lotterie? Kurz gesagt: Chaos! Dies übertrifft alles, was wir bislang auf der Reise an Szenen im Straßenverkehr erlebt haben. Holla die Waldfee – beim Fahren verwandeln sich die Kolumbianer in ungezähmte Bestien.

Nach mehreren Stunden Fahrt entlang der heißen Küste mit teils schönen aber auch teils weniger schönen und vertrockneten Landschaften erreichen wir vor Santa Marta den Abzweiger in die Berge der Sierra Nevada. Wer von euch weiß, dass es sich hierbei um das höchste Küstengebirge der Erde handelt?! Nirgendwo sonst auf der Welt erheben sich derart hohe Berge (bis 5775 m) so nah an der Küste. Klingt sehr dramatisch und ist aus einer entsprechenden Perspektive sicher auch ein toller Anblick, jedoch sieht man bei der Anfahrt zwar hohe Berge, jedoch keine Giganten mit schneebedeckten Gipfeln. Diese liegen blöderweise so, dass wir sie nicht sehen können. Schade. Nichtsdestotrotz ist die Fahrt in höhere Gefilde schön und mit jedem Höhenmeter wird die Landschaft grüner und die Natur üppiger. Unser Ziel heißt Minca, ein Bergdorf auf etwa 680 m Höhe. Dort finden wir etwa 1,5 Kilometer außerhalb einen tollen Campingplatz beim Hostal Colonial. Die Einfahrt ist im Gegensatz zu anderen Unterkünften in der Gegend problemlos zu meistern und der Stellplatz ist wunderschön: Mango- und Avocadobäume, schöner Blick ins Tal bis zur Küste, von Bergen umgeben, kleiner Pool, gemütliche Terrasse mit Hängematten, Dusche/ WC, WiFi und sehr nette Besitzer. Das alles zum Schnäppchenpreis von 15.000 Pesos/Nacht (5,80 €). Die Temperaturen sind tagsüber warm, nachts angenehm kühl. Hier gefällt es uns und wir bleiben vier Nächte. Wir lümmeln in den Hängematten herum, re-organisieren den Landy, machen erstmals mehrere Teile Handwäsche und freuen uns des Lebens. Der Platz ist ein friedliches Naturparadies und es gibt eine Vielzahl an Vögel zu beobachten. Ach, was geht es uns gut!

Den Ort Minca suchen wir nur 1 x mal auf, weil das Restaurant des Hostels montags geschlossen hat und wir keine Lust haben, selbst zu kochen. Also machen wir in der Dämmerung mit Stirnlampe ausgestattet einen 10 minütigen Spaziergang ins Dorf, sehen drei bis unter die Zähne bewaffnete Militär auf Patrouille, essen im Restaurant zu Abend und hoffen auf ein Taxi zurück. Fehlanzeige, bzw. es gibt nur Moto-Taxis, sprich Mopeds. Klar können wir uns zwei davon mieten aber die Restaurantbesitzer sowie der gerade dort pausierende Polizist empfehlen uns den Fußweg zurück zum Hostal. Sei alles „seguro“ sprich sicher hier. Sportlichen Schrittes treten wir also den Rückweg an und außer drei kläffenden Hunden läuft uns nichts und niemand über den Weg.

Damit wir nicht in der Hängematte festwachsen machen wir einen Spaziergang zum Fluss und einem Mini-Wasserfall, dann zu den Felsbecken Pozo Azul und weiter bergauf zur alten Kaffee-Finca „La Victoria“ aus dem Jahre 1892. Hier nehmen wir an der Führung teil und kosten den Kaffee, der nur als „Tinto“ also schwarzer Kaffee angeboten wird. Da wir beide nur Kaffee mit Milch trinken ist das nicht so unser Ding aber die alten Maschinen der kleinen Finca sind interessant.

Wunderbar entspannt sind wir bereit „mehr“ von Kolumbien zu sehen!

Di

20

Mai

2014

Cartagena

Da wir noch nicht wissen, wann genau wir unseren Landy aus dem Hafen befreien können mieten wir uns in Cartagena im historischen Stadtteil Getsemani ins zentral gelegene Hotel Centenario ein. Das Zimmer ist einfach aber sehr sauber, hat Klimaanlage, WiFi und ist nach kurzem Verhandeln mit 60.000 Kolumb. Pesos (ca. 24 €) auch für mehrere Nächte bezahlbar. Ihr ahnt es schon, oder? Cartagena liegt an der Küste – und es ist heiß! Also springen wir zuerst unter die Dusche (auf dem Boot gab’s außer Baden im Meer leider keine!) und schalten dann den Computer an. Wollen wir doch sofort wissen, ob der Frachter mit dem Landy schon im Hafen von Cartagena ist. Prima: Die Reederei hat per E-Mail mitgeteilt, dass der Frachter pünktlich angekommen ist und wir heute mit dem Auslöse-Pozedere beginnen können. Da es inzwischen bereits kurz vor 17 Uhr ist muss dies aber bis morgen warten.

Auf dem Weg zum Hotel haben wir mehrmals versucht mit der Kreditkarte Geld von unserem Konto abzuheben – ohne Erfolg. Das macht uns stutzig, wissen wir doch genau, dass wir über ausreichend Guthaben auf unserem Reisekonto verfügen. Also schnell das Online-Banking aufrufen und dann…blankes Entsetzen: Das Konto ist leer!!! Was heißt leer – im Minus ist es! Große Güte! Bis vor dreißig Sekunden noch tiefenentspannt und bester Laune rast nun der Puls und in unseren Köpfen rattert das Hirn auf Hochtouren: Wann haben wir zuletzt Geld abgehoben? Wann Guthaben auf das Konto eingezahlt? Wie viel Geld muss auf dem Konto sein? Wo ist die Kohle hin? Ein Blick in die Kontobewegungen beweist unsere letzten Barabhebungen in El Valle de Anton/Panama und auch unseren Geldübertrag auf das Reisekonto. Leider zeigen die Bewegungen aber auch mehrere Barauszahlungen an unterschiedlichen Orten, mutmaßlich in den USA. Wir sind schockiert! Irgendein Verbrecher hat wohl unsere Kreditkarte dupliziert und die PIN ausspioniert. Wer? Wo? Wie? Keine Ahnung! Fakt ist, dass der Gauner über mehrere Tage unser gesamtes Konto leer geräumt hat, bis hin zur Ausschöpfung des Kreditrahmens. Jetzt heißt es schnell agieren und die Karte sperren lassen. Nach dem fünften Versuch klappt es endlich, nicht aus der deutschen Telefon-Hotline herauskatapultiert zu werden und zu einem sprechenden Lebewesen durchzudringen und das Anliegen vorzutragen. Geschafft, Karte gesperrt. Nun ist es Pflicht auch eine Anzeige bei der deutschen Polizei aufgeben. Das klappt leider nicht online also melden wir uns per Mail.

Mit unserer Zweitkarte wollen wir uns Bargeld beschaffen – doch leider haben wir es beide geschafft, diese nicht in unser Handgepäck zu packen sondern diese ganz sicher im Safe im Landy zu verstecken. Tja, der Landy steht nun aber im Hafen und ist für uns frühestens in zwei Tagen zugänglich. Zwar haben wir noch etwa 300 US$ Bargeld „am Mann“, aber für Hotel, Taxi, Verpflegung und die Auslösung des Landys könnte dies knapp werden. Aber wozu gibt es nette und hilfsbereite Reisebekanntschaften? Wir berichten unseren Mitseglern Heidi und Jean-Luc von unserer Misere und die beiden zögern keinen Moment um uns zuerst mit einem Abendessen und dann mit reichlich Pesos zu versorgen. Das nennen wir mal super hilfsbereit!!! Kennen wir uns doch erst seit 5 Tagen! Aber auch Jonni & Stephen aus England, die wir kurz in Nicaragua kennen gelernt haben und die zufällig auch heute in Cartagena sind, offerieren uns spontan ihre Hilfe. Ist das nicht toll?!

Noch wissen wir nicht genau, in welcher Höhe wir selber für den Schaden aufkommen müssen aber wir sind guten Mutes, dass uns bis auf eine kleine Selbsthaftung und Gebühr alles erstattet wird. Wozu ist auch sonst eine Kreditkarte gut?!? Bank und Polizei fordern diverse Stellungnahmen und Unterlagen und dank moderner Technik wie USB-Stick, Internet-Cafés mit Drucker und Scanner können wir dies alles in der Altstadt erledigen.

Außerdem starten wir auch den Papierkram und die Behördengänge, damit wir bald Gypsy abholen können. So rennen und fahren wir viel durch die Stadt und schwitzen bereits morgens um halb neun bei 30 °C. Nichtsdestotrotz schauen wir uns Cartagena an – eine tolle Stadt! Vielleicht sogar die schönste Stadt auf unserer bisherigen Reise. Herrlich restaurierte Kolonialbauten mit bunten Fassaden und Holzbalkonen, Festungen aus der Piratenzeit, enge Gassen, Kneipen, Restaurants, Cafés, Straßenverkäufer, Menschen aus aller Welt und ein ganz besonderes Flair und ein reges Treiben. Es gefällt uns super gut und wir lassen uns von der guten Laune dieser Stadt anstecken. Insbesondere am Abend steppt hier der Bär – überall ist etwas los, wir ziehen mit Heidi und Jean-Luc durch Getsemani und es dürstet uns nach kaltem Bier oder leckeren Cocktails. Natürlich testen wir auch die Restaurants und verbringen eine wunderschöne Zeit in Cartagena. Insgesamt bleiben wir vier Nächte im Hotel, obwohl wir nach zwei Nächten schon wieder in Gypsy hätten nächtigen können. Aber es ist so heiß...da ziehen wir ausnahmsweise mal das klimatisierte Hotelzimmer vor. Das Auto steht aber ganz in der Nähe sicher auf dem Parkplatz des Convention Center (23.000 Pesos/Tag). Und natürlich begleichen wir mittels der Zweit-Kreditkarte unsere Schulden bei den lieben Privatbankiers.

Di

20

Mai

2014

Bienvenidos America del Sur – Bienvenidos Colombia!

Hurra – Land in Sicht! Cartagena heißt unser erstes Ziel, dessen Yachthafen wir ansteuern. Wir sind sehr froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben! Komisch nur, dass irgendwie trotzdem alles schwankt. Nein, es hat ganz sicher nichts mit Alkohol zu tun! Der heftige Wellengang der vergangenen Tage sitzt uns noch in den Knochen und zwei weitere Tage spüren wir hin und wieder ein Schwanken oder träumen gar, noch auf tobender See zu sein. Zwei echte Leichtmatrosen ;-)

Unser erster Bodenkontakt sieht wie folgt aus: Runter vom Segelboot, rauf auf‘s Beiboot, hin zum Pier und endlich an Land steigen. Per Taxi werden wir gemeinsam mit Kapitän John zur Einreisebehörde kutschiert, wo unsere Pässe im Kollektiv ab- und nach längerem Warten einzeln zurück gegeben werden. Wir freuen uns über den Einreisestempel von Kolumbien und heißen uns gegenseitig auf dem südamerikanischen Kontinent willkommen. Wow – ein Meilenstein auf unserer großen Reise!

Kolumbien bringen die meisten unter uns wohl mit Drogenkartellen und Guerilla Kämpfen in Verbindung. Aber dieses Land hat deutlich mehr zu bieten. Die Sicherheitslage entwickelt sich insbesondere unter der Regentschaft des Präsidenten Álvaro seit 2002 kontinuierlich nur in positive Richtung. So wurden die großen Drogenkartelle in ihrem „Spielraum“ stark eingeschränkt und die Guerillas (insbesondere die berüchtigte Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) weit zurückgedrängt. Seit Jahren gibt es sogar Bemühungen einen endgültigen Friedensvertrag auszuhandeln. Und soll man den Politikern glauben, so ist man auf einem sehr guten Weg. Heute sind Landwirtschaft (insbesondere Kaffee, Bananen, Schnittblumen) sowie Bergbau die wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Also kein Grund dieses wunderschöne Land, das so groß ist wie Frankreich, Spanien und Portugal zusammen, nicht intensiv zu bereisen. Es erwarten uns (und euch virtuell) die ersten Ausläufer der Anden mit zahlreichen Gipfeln bis 5775 Meter Höhe, Karibikküste, tropischer Regenwald, schöne Kolonialstädte, eine unglaubliche Flora sowie eine gigantische Tiervielfalt (hier leben 20% aller weltweit bekannten Vogelarten).