Mi

14

Mai

2014

Von Portobello nach Cartagena

Puh, wie einfach könnte das Leben doch sein. Aber wir wollen ja entschleunigen – also entscheiden wir, dass wir nicht per Flieger in gut einer Stunde von Panama nach Kolumbien fliegen sondern stattdessen eine 5tägige Segeltour via die San Blas Inseln nach Cartagena/Kolumbien machen. Schließlich wollen wir ja neue Erfahrungen machen. Also heißt es „Segeln“ statt „Fliegen“.

Nachdem wir Gypsy nunmehr am Hafen von Colon zurück gelassen haben, gönnen wir uns ein zum fairen Preis von 30 US$ ein Taxi nach Portobello. Dort verbringen wir die Nacht vor dem Segeltrip in Captain Jack‘s Hostel. Beim Anblick unseres Nachtlagers wünschen wir uns augenblicklich Gypsy zurück Wie gut, dass wir normalerweise nicht in solchen Herbergen absteigen müssen! Leider hat der Ort den Namen Portobello auch nicht verdient und wir können es kaum abwarten, dass es am nächsten Tag los geht. Wir nehmen das Frühstück ein und um 10:00 Uhr sammelt der „Schiffsjunge Blair“ von allen Mitseglern die Reisepässe ein. Die Ausreise aus Panama erfolgt also bei der kleinen Behörde im Ort ohne unsere persönliche Anwesenheit – das ist mal einfach! Dann verbringen wir etliche Stunden mit Warten, bis endlich 15 Passagiere + 3 Motorräder + 3 Besatzungsmitglieder auf unserem Segelschiff „Wildcard“ sind und wir um 17:30 Uhr endlich in See stechen.

Schlauerweise haben wir uns mit Tabletten gegen Seekrankheit eingedeckt und auch gleich die erste Ration eingeworfen. Was sollen wir sagen – es herrscht ordentlich Seegang und ab 20 Uhr widmen wir uns einer neuen Beschäftigung: dem „Fische füttern“ – und zwar bis zur völligen Entleerung bis nur noch Magensäure den Weg nach oben findet. Wessen Idee war eigentlich der Segeltrip? Wie war das mit der neuen Erfahrung? Sch… drauf. Wo bitte ist die nächste Station zum Aussteigen? Wir wollen sofort an Land und ab in den Flieger.

Abendessen gefällig? Allein der Geruch von Spaghetti Bolognese aus der Bordküche führt zu Brechreiz. Die nächsten 12 Stunden fühlen sich wie eine Ewigkeit an. Doris schafft es nach mehreren Anläufen kurz vor Mitternacht bis in die Kabine – Torsten hält sich bis 5 Uhr morgens an der Reling fest. Ein Albtraum – und wir sind gerade erst gestartet. Aber laut unserem Kapitän John ist dies ja nur eine sogenannte „motion sickness“ - die echte Seekrankheit ist viel schlimmer. Was bitte kann noch schlimmer sein? Und haben wir schon erwähnt, dass der „Endspurt“ auf offener See zwischen 36-42 Stunden dauern wird???

Zum Glück erreichen wir morgens um 6 Uhr den ersten Ankerplatz vor den San Blas Inseln - karibische Trauminseln und ruhigeres Wasser!

Die Inseln sind im Besitz der panamesischen Ureinwohner, den „Kuna“. Diese indigene Bevölkerung lebt noch ganz traditionell in Palmwedelhütten, die Männer fahren mit dem Einbaum zum Fischen und die Frauen tragen bunte Trachten und kunstvoll drapierte Perlenbänder an Armen und Unterschenkeln. Näh-/Stickarbeiten und Perlenbänder werden den Touristen angeboten und die Männer verkaufen ihren Fischfang an die Segler. So verdienen sich die Kuna ein wenig Geld. Eine völlig andere Welt, die unterschiedlicher nicht sein kann, als diese, in die wir durch Zufall hineingeboren wurden. Mit dem kleinen Beiboot schippern wir zu einer dieser Inseln und werden auf einen Dorfrundgang willkommen geheißen – allerdings zahlt der Kapitän hierfür „Eintritt“ und wir erhalten von ihm Kekse, die wir an die vielen Kinder verteilen sollen. Obwohl das für uns ein interessantes Erlebnis ist – wir fühlen uns dabei unwohl, irgendwie kommen wir beide uns „schlecht“ vor. Ist ja fast wie im Zoo, nur dass wir keine Tiere sondern Menschen bestaunen. Eine Gratwanderung zwischen „Unterstützung durch Eintritt/Spende“ und „Touristenattraktion“. Aber mit respektvollem Verhalten, Lächeln, Gitarre spielen, klatschen und singen und natürlich Fußball spielen schaffen wir es gemeinsam, die Barriere zwischen den beiden Welten ein wenig aufzubrechen – zumindest bei den Kindern. Da sind die Unterschiede plötzlich gar nicht mehr so groß, denn egal in welchem Land oder in welchen Lebensverhältnissen die Kinder aufwachsen - alle lieben es zu spielen, Musik zu hören oder aber Süßigkeiten zu essen. Schön, wie gleich die Welt dann doch wieder ist.

Die nächsten beiden Tage verbringen wir dann mit Schnorcheln, im „karibischen Pool“ baden, am Strand rumgammeln, Lagerfeuer machen, lecker Fisch und Langusten essen und neue Reisebekanntschaften machen. Ist doch schön so eine Segeltour!

Zum Glück haben wir uns mittlerweile ein wenig an das Geschaukel gewöhnt und die Tablettenration erhöht. Mit Zuversicht sehen wir der langen Etappe nach Cartagena entgegen. Der Wind ist nicht unser Freund und so dauert diese finale Runde dann satte 42 Stunden. Die meiste Zeit ist nur das weite Meer zu sehen – kein anderes Schiff, keine Insel, kein Festland. Da fällt es schwer einen Punkt zu fixieren und das Geschaukel zu ignorieren. Das Boot wippt vor und zurück, schwankt nach links und nach rechts. Ist wie nonstop Achterbahn fahren. In unserem recht großen Bett in der Kabine kullern wir hin und her – stabile Seitenlage ist angesagt. An Lesen, Stricken, Fotos bearbeiten oder Blog-Einträge schreiben ist nicht zu denken. So wird die Überfahrt dann ganz schön lang. Also lang, nicht besonders schön. Aber immerhin schaffen wir es, nicht mehr seekrank zu sein.

Für eine tolle Abwechslung sorgt am Morgen des vierten Tages eine ganze Gruppe Delphine, die recht lange neben unserem Boot herschwimmt und uns mit gekonnten Sprüngen erheitert. Sieht fast so aus, als ob sie mit dem Boot und den Wellen spielen und uns ablenken wollen. Ein total schönes Erlebnis was für vieles andere entschädigt.

Fazit: Wir werden den Segeltörn in guter Erinnerung behalten. Die wunderschönen San Blas Inseln und ihre Einwohner, sehr nette Menschen, die wir auf dem Boot kennen gelernt haben, faszinierende Delphine, wunderbare Strände, super frischen Fisch und die Erfahrung, 5 Tage mit 18 Personen auf einem kleinen Segelschiff zu verbringen waren etwas Besonderes. Wir bereuen es nicht – aber einen weiteren längeren Segeltörn machen WIR wohl nicht!

Di

13

Mai

2014

Colon

Colon ist nicht wirklich eine Reise wert. Aber wer sein Auto von Panama nach Kolumbien verschiffen will, der kommt um die Hafenstadt Colon nicht herum. Wir campen am Yachthafen der „Shelter Bay Marina“, essen gut und günstig im angegliederten Restaurant und treffen die letzten Vorbereitungen. Zwar liegt der Yachthafen ca. 30 Minuten vom Verschiffungshafen entfernt, aber der Weg lohnt. Er führt vorbei bzw. sogar direkt über die Schleusen von „Gatún“. Man fährt auf einer kleinen Straße direkt am Schleusentor vorbei. Zudem hat man auch noch freien Blick auf den Bau der neuen Schleusen. Sicherlich eine gute Alternative zu den Miraflores Schleusen.

Am nächsten Tag erscheinen wir pünktlich um 08:00 Uhr am Hafen um Gypsy abzugeben. Die ganze Prozedur (siehe Verschiffung unter Tipps und Tricks) läuft auch in Colon relativ einfach und überschaubar ab. Ein komisches Gefühl: jetzt stehen wir ohne Auto da – nur noch mit einem Zettel in der Hand und Handgepäck.

Sa

10

Mai

2014

Panama-Kanal und El Valle de Anton

Um das Auto noch ein wenig für die Verschiffung vorzubereiten und uns PanCity definitiv zu heiß und zu schwül ist, beschließen wir noch mal ein wenig zurück ins kühlere El Valle zu fahren.

Der Weg dorthin führt uns ein Stück am Panamakanal entlang und wir besichtigen die berühmten Miraflores Schleusen. Die genau 100 Jahre alten Schleusen mit ihren gewaltigen Abmessungen (305 m lang und 33,5 m breit) sind auch heute noch sehr beeindruckend. Wie wird es erst sein, wenn die neuen, um 60% größeren Schleusen, nach 7 jähriger Bauzeit dieses Jahr eröffnet werden? Die 80 km lange Wasserstraße verbindet den Atlantik und den Pazifik und erspart den Schiffen die etwa 14tägige Umrundung von Südamerika. Für die Durchfahrt brauchen die Schiffe nur ca. 8-10 Stunden und müssen dafür die „Kleinigkeit“ von 300-400.000 US$ pro Durchfahrt bezahlen. Und wir meckern über hohe Straßenmaut :-)

In El Valle de Anton lassen wir noch mal Wäsche waschen und packen das Auto so um, dass im vorderen Teil (also im Landy) nichts mehr ist, was uns auf dem Schiff entwendet werden könnte. Also landen Ersatzteile, Gasgrill, Werkzeug, Schuhe, Campingstühle in die Wohnkabine. Puh, ziemlich voll aber was muß, das muß.

Mi

07

Mai

2014

Panama City

Nach langer und nicht sehr spektakulärer Fahrt erreichen wir PanCity. Wie alle „Reisenden“ müssen wir hier die Formalitäten für die Verschiffung nach Kolumbien erledigen. Wir haben uns für die Verschiffung RoRo (Roll on Roll off) mit der SC Line entschieden und wollen die Prozedur ohne die Hilfe eines Agenten erledigen (mehr zur Verschiffung unter Tipps und Tricks).

Wir parken/campen am Straßenrand vor dem Balboa Yacht Club und treffen dort im Restaurant am Abend Nelly und Toni aus der Schweiz, die wir bereits aus Antigua kennen. Zufälle gibt’s: Die Beiden haben für ihr Fahrzeug das gleiche Schiff gebucht und wir erfahren, dass das Schiff weitere 3 Tage Verspätung hat. Neuer Termin ist nun der 16. Mai. Da die obligatorische Polizeibescheinigung der DIJ nur 7 Tage gültig ist, schieben wir noch eine Besichtigung der Altstadt von Panama ein und starten am Freitag den eigentlichen Behördenprozess.

Als wir am Balboa Yacht Club campen hält nachmittags ein Polizeiauto mit drei Uniformierten an. Was wollen die denn nun? Hach, der Landy ist so toll, was für ein cooles Auto. Alle posieren vor dem Auto, machen mit ihrem Handy ein Foto und schäkern mit uns auf Spanisch und Englisch und wünschen uns eine gute Reise.

Die Altstadt hat sehr schöne alte Gebäude, die zum Teil restauriert und fein herausgeputzt wurden. Ein Großteil ist aber noch sehr stark verfallen und es gibt hier noch viel Aufbauarbeit zu leisten. In der angrenzenden „Einkaufsstraße“ geht’s es dann sehr wuselig zu. Wir können es nicht richtig beschreiben, aber für uns herrscht ein ganz besonderes Flair, deutlich anders als in den übrigen zentralamerik. Städten. Wir kaufen noch ein wenig im „Macheteza“ Warenhaus ein und machen zahlreiche Kopien der Reiseunterlagen, damit wir für die nächsten Tage gewappnet sind.

Die zu erledigenden Schritte in Panama laufen völlig problemlos ab. Zwar dauert alles ein wenig und man muss im Prinzip quer durch die Stadt, aber alles gut machbar.

Ach ja, Panama City liegt ja am Meer – und es ist heiß!

So

04

Mai

2014

Boquete

„Oh wie schön ist Panama…“ Keine Ahnung wo Janosch unterwegs war, aber er hat recht und die Fahrt durch den Norden Panamas schließt sich nahtlos an die Schönheit von Costa Rica an. Die nun geteerte Straße schlängelt sich über unzählige Kurven an Berghängen entlang und wir genießen die Fahrt.

Ist jemand überrascht, dass es nun auch an Panama‘s Küsten mega heiß ist? Wir nehmen vorsichtshalber gleich Kurs auf Boquete, am Fuße des Vulkans Baru gelegen. Es herscht ein sehr angenehmes Klima was uns zum Wandern ermutigt. Schnell noch bei den Tourveranstaltern geschaut, welche Wandertouren angeboten werden um diese dann am nächsten Tag auf eigene Faust zu unternehmen. So geht’s zu den Hidden Waterfalls (Privatgrundstück mit Eintrittsgebühr): eine sehr schöne Dschungelwanderung zu insgesamt 3 Wasserfällen – ca. 2 Stunden). Die Gegend gefällt uns und tags darauf quälen wir uns den Wanderweg „Mirador de Quetzales“ auf den Vulkan Baru hinauf. Stetig bergauf durch üppigen Regenwald und riesigen Bambus, teilweise recht steil und mit hohen Stufen. Ganz schön anstrengend die etwa 5stündige Tour. Der Name hält leider nicht was er verspricht und wir sehen keine Quetzale.