Guatape und El Penol

Guatape zählt nur 2000 Einwohner, besticht durch kleine Gassen und ist berühmt für bunte, kunstvolle Sockel-Verkleidungen an den Häusern. Ursprünglich wurden diese Verkleidungen angebracht um die Häuser vor dem Picken der Hühner und den Ball spielenden Kinder zu schützen, heute sind sie so etwas wie das Wahrzeichen des Dorfes. Meist ist das Motiv dem Geschäftszweck des Hauses angepasst: Billiard-Spieler weisen auf eine Kneipe mit Billiard hin, ein Tuc-Tuc auf das Personenbeförderungsunternehmen.

Doris beschließt, dass es mal wieder Zeit für einen Friseurbesuch ist. Ein kritischer Blick auf den Salon und die vermeintliche Dame vom Fach - schon kann es losgehen. Denkste! Die freundliche, junge Dame entpuppt sich als Putzfrau. Die Chefin wird nebenan gerufen, ist gut und gerne 65 Jahre und trägt selbst nicht gerade den modischsten Haarschnitt. Nun ja, jetzt wieder weggehen ist ja auch peinlich, also Mut zum Risiko. Die Señora versteht ihre Aufgabe: blonde Strähnen und Haare schneiden bitte. Zwar schneidet sie zuerst die Haare in einer unbekannten Technik und statt der gewohnten Foliensträhnen macht Señora Hauben-Strähnen (das ziept höllisch bei langen Haaren!), aber nach der anfänglichen Skepsis ist das Resultat dann wirklich sehr gut. Tadellos! Und günstig dazu: umgerechnet 19 € inklusive sattem Trinkgeld.

Torsten genießt derweil das hervorragende Auftaktspiel von Deutschland gegen Portugal in der benachbarten Kneipe mit super leckerem kolumbianischen Kaffee – für Bier ist es einfach noch zu früh J.

Sonntags fahren wir zum Nachbarort El Penol – auch Der Fels genannt. Der Ortsname bezieht sich auf den 220 m hohen Granitfelsen – ein imposanter Monolith. Vom Parkplatz am Fuße des Felsbrockens hat man bereits eine tolle Sicht auf die Umgebung. Für 10.000 Pesos Eintritt pro Person kann man aber ganz nach oben auf den Felsen. Zwar ist die in einen Felsspalt eingelassene Betontreppe häßlich, aber der Aufstieg der insgesamt 740 Stufen bis auf den Aussichtsturm lohnt sich. Ein fantastischer 360° Rundblick über die tolle Landschaft und den (zwar künstlichen) See mit unzähligen kleinen Inseln, der fast wie eine Fjordlandschaft wirkt. Am Ufer stehen geschmackvolle Häuser, auf dem See fahren kleine Boote umher und es ist friedlich und erholsam. Hier hätten wir auch gerne einen Zweitwohnsitz!

Im angrenzenden Restaurant essen wir noch lecker zu Abend und als wir zum Auto zurück kommen posieren mal wieder etliche Kolumbianer vor dem Landy. Kinder werden auf der Motorhaube postiert und auch Erwachsene klettern beherzt auf die Haube – das geht uns dann doch ein wenig zu weit und Torsten macht deutlich, dass alle gerne vor und mit dem Auto posieren dürfen aber nicht darauf. Ok, das haben sie verstanden und die Foto-Session geht ohne Klettern aber immer mit Auto-Kontakt weiter. Wir sind froh, als die letzten Tagesbesucher vom Parkplatz rollen denn wir dürfen hier über Nacht bleiben und haben einen tollen Blick auf den Sonnenuntergang.