Auf zur Hauptstadt Kolumbiens: Bogota

In Zipaquira erhalten wir den Tipp, dass wir am Stadtrand von Bogota bei den großen Einkaufszentren parken und bestimmt auch übernachten können. Das klingt gut und am frühen Nachmittag erreichen wir das „Centro Comercial Chia“, wo wir auch zu den normalen Parkgebühren übernachten dürfen. Nach einem kurzen Bummel durch die Läden entscheiden wir uns jedoch den nahe gelegenen Land Rover Händler aufzusuchen. Der Stopp dort entpuppt sich als Fehlanzeige – keine Ersatzteile für den Defender und so richtig hilfsbereit ist man hier scheinbar nur, wenn man einen Neuwagen ordern will. Da wir uns nun der Stadtgrenze noch etwas genähert haben stoßen wir auf ein weiteres Einkaufszentrum, das „Centro Comercial & Outlet BIMA“. Der Sicherheitsmann am Parkplatzeingang ist sich ganz sicher, dass wir hier übernachten dürfen – wir müssen nur oben in der Verwaltung Bescheid geben. Klingt einfach und so trabt Doris los um den Platz für die Nacht klar zu machen. Blöd nur, dass die Damen im Büro von dem Anliegen gar nicht begeistert sind und den Fall auch noch nie hatten. Da hilft nur hartnäckig bleiben, Einkaufsabsichten im Centro äußern, die Reise erläutern, immer wieder schwärmen wie schön Kolumbien ist und unwiderstehlich freundlich lächeln. Zwei der Damen wollen nun Gypsy sehen und sind sogleich voll begeistert. Sie versichern dem höchsten Sicherheitschef, dass wir „anständige Leute“ sind und nach etwa einer Stunde spanischer Kommunikation dürfen wir hier ebenfalls gebührenpflichtig nächtigen. Abends kommen die Parkwächter auf modernen Segways herangerollt und freuen sich mit uns, dass wir hier parken dürfen und so werden wir besonders gut  und nett bewacht. Das Outlet-Center entpuppt sich zudem noch als gute Klamotten-Einkaufsgelegenheit J

Das BIMA-Outlet hat zudem eine Busanbindung ins Zentrum. Wunderbar – wir können Gypsy hier stehen lassen und nehmen morgens den Bus. Eine nette Dame „nimmt uns an die Hand“: Sie erklärt uns Buslinien und Fahrpreise, geleitet uns zu den entsprechenden Abfahrstellen, weist uns beim Umsteigen den richtigen Weg und wünscht uns einen tollen Tag in Bogotá.

Kolumbiens Hauptstadt Bogotá zählt ca. 8,25 Mio. Einwohner und liegt auf einer beachtlichen Höhe von 2600 m über dem Meeresspiegel. Die Tagesdurchschnittstemperatur liegt bei nur 14°C. Im historischen Zentrum La Candelaria gibt es schöne Kolonialbauten und steile Pflasterstraßen mit Cafés, Restaurants, Läden aller Art sowie Theater und Museen. In den umliegenden Geschäftszentren dominieren Hochhäuser das Bild Bogotàs.

 

Wir landen mit dem Bus problemlos im Zentrum und machen uns auf den direkten Weg zum „Museo del Oro“, dem weltberühmten Gold-Museum. Für nur 3000 Pesos/Person können wir das Museum anschauen, welches zur „Bank de Bogotá“ gehört. Stundenlang erkunden wir verschiedene Etagen und Ausstellungsräume und sind restlos begeistert. Wer glaubt, hier gibt es langweilige Goldbarren zu sehen, der irrt. Das Museum präsentiert mehr als 34.000 Fundstücke aus den wichtigsten Epochen der Prä-Spanischen Zeit und es handelt sich um verblüffend filigran gestalteten Schmuck, Opfergaben und Figuren aus Kolumbien. Auch einige Töpfer-, Leder- und Textilwaren sind ausgestellt. Allesamt sind die Objekte kunstvoll arrangiert und meist mit guten Informationen auf Spanisch und Englisch versehen. Wir können uns gar nicht satt sehen an diesen tollen Fundstücken. Den „Saal der Opfergaben“ betritt man bei völliger Dunkelheit, die Tür wird verschlossen und dann beginnt eine musikalisch unterlegte Licht-Show, bei der die goldenen Opfergaben angestrahlt werden und das menschliche Auge kaum noch weiß, wohin es schauen soll. Wir gönnen uns dieses Schauspiel gleich zweimal und sind fasziniert. Im Museum gibt es auch einen ganz besonders wertvollen Schatz zu sehen, ein wunderschön gestaltetes, kleines Floss – eine ganz besondere Opfergabe, die ein Ritual der indigenen Bevölkerung der Muisca porträtiert. Die Geschichte besagt, dass die Lagune Guatavita ein Heiliger Ort war und bei religiösen und spirituellen Zeremonien dort ein Floß zu Wasser gelassen wurde. Das Floß trug den nackten, nur mit Goldstaub eingepuderten Stammeshäuptling sowie einige seiner Schamanen, die Jaguarmasken trugen. Der Häuptling stieg dann ins Wasser und der feine Goldstaub wurde abgewaschen. Dieses Ritual wurde mit kostbaren Opfergaben gefeiert, die dann in die Lagune geworfen wurden – so vermutlich auch das etwa 10 x 10 cm kleine Opfer-Floß – eine Augenweide! Es ist unglaublich, welch kunsthandwerkliches Geschick die Muisca Indianer beherrschten und welche Kostbarkeiten diese Menschen besaßen.

Wir sind normalerweise keine großen Museumsgänger aber das Museo del Oro ist für uns eines der Schönsten und Interessanten was wir bisher gesehen haben.

Nach so viel Kultur sind wir durstig und hungrig und lassen uns in einem Restaurant zu zwei kolumbianischen Spezialitäten überreden und sind zufrieden mit unserer Wahl. Dann noch ein bißchen durch die Stadt schlendern und per Bus zurück zu unserm Parkplatz. Dort angekommen werden wir schon von der herzigen Nachtwächterin begrüßt und sie ist stolz darauf, dass Kolumbien so viel zu bieten hat und es uns Deutschen gefällt. Sie erklärt, dass wir gerne noch eine weitere Nacht auf dem wirklich ruhigen Parkplatz stehen können, was wir gerne machen. Am nächsten Morgen ist die Kassendame dann beim Auslesen des Parktickets sehr überrascht und hält die angezeigte Anzahl an Stunden und den Preis für einen Systemfehler. Sie ist mehr als irritiert als sie erfährt, dass wir hier 2 Nächte geschlafen haben. Wir sind mit der Wahl unseres Park- und Campingplatzes sehr zufrieden und zucken beim Preis von nur 23.500 Pesos nicht mal mit der Wimper.