Cartagena

Da wir noch nicht wissen, wann genau wir unseren Landy aus dem Hafen befreien können mieten wir uns in Cartagena im historischen Stadtteil Getsemani ins zentral gelegene Hotel Centenario ein. Das Zimmer ist einfach aber sehr sauber, hat Klimaanlage, WiFi und ist nach kurzem Verhandeln mit 60.000 Kolumb. Pesos (ca. 24 €) auch für mehrere Nächte bezahlbar. Ihr ahnt es schon, oder? Cartagena liegt an der Küste – und es ist heiß! Also springen wir zuerst unter die Dusche (auf dem Boot gab’s außer Baden im Meer leider keine!) und schalten dann den Computer an. Wollen wir doch sofort wissen, ob der Frachter mit dem Landy schon im Hafen von Cartagena ist. Prima: Die Reederei hat per E-Mail mitgeteilt, dass der Frachter pünktlich angekommen ist und wir heute mit dem Auslöse-Pozedere beginnen können. Da es inzwischen bereits kurz vor 17 Uhr ist muss dies aber bis morgen warten.

Auf dem Weg zum Hotel haben wir mehrmals versucht mit der Kreditkarte Geld von unserem Konto abzuheben – ohne Erfolg. Das macht uns stutzig, wissen wir doch genau, dass wir über ausreichend Guthaben auf unserem Reisekonto verfügen. Also schnell das Online-Banking aufrufen und dann…blankes Entsetzen: Das Konto ist leer!!! Was heißt leer – im Minus ist es! Große Güte! Bis vor dreißig Sekunden noch tiefenentspannt und bester Laune rast nun der Puls und in unseren Köpfen rattert das Hirn auf Hochtouren: Wann haben wir zuletzt Geld abgehoben? Wann Guthaben auf das Konto eingezahlt? Wie viel Geld muss auf dem Konto sein? Wo ist die Kohle hin? Ein Blick in die Kontobewegungen beweist unsere letzten Barabhebungen in El Valle de Anton/Panama und auch unseren Geldübertrag auf das Reisekonto. Leider zeigen die Bewegungen aber auch mehrere Barauszahlungen an unterschiedlichen Orten, mutmaßlich in den USA. Wir sind schockiert! Irgendein Verbrecher hat wohl unsere Kreditkarte dupliziert und die PIN ausspioniert. Wer? Wo? Wie? Keine Ahnung! Fakt ist, dass der Gauner über mehrere Tage unser gesamtes Konto leer geräumt hat, bis hin zur Ausschöpfung des Kreditrahmens. Jetzt heißt es schnell agieren und die Karte sperren lassen. Nach dem fünften Versuch klappt es endlich, nicht aus der deutschen Telefon-Hotline herauskatapultiert zu werden und zu einem sprechenden Lebewesen durchzudringen und das Anliegen vorzutragen. Geschafft, Karte gesperrt. Nun ist es Pflicht auch eine Anzeige bei der deutschen Polizei aufgeben. Das klappt leider nicht online also melden wir uns per Mail.

Mit unserer Zweitkarte wollen wir uns Bargeld beschaffen – doch leider haben wir es beide geschafft, diese nicht in unser Handgepäck zu packen sondern diese ganz sicher im Safe im Landy zu verstecken. Tja, der Landy steht nun aber im Hafen und ist für uns frühestens in zwei Tagen zugänglich. Zwar haben wir noch etwa 300 US$ Bargeld „am Mann“, aber für Hotel, Taxi, Verpflegung und die Auslösung des Landys könnte dies knapp werden. Aber wozu gibt es nette und hilfsbereite Reisebekanntschaften? Wir berichten unseren Mitseglern Heidi und Jean-Luc von unserer Misere und die beiden zögern keinen Moment um uns zuerst mit einem Abendessen und dann mit reichlich Pesos zu versorgen. Das nennen wir mal super hilfsbereit!!! Kennen wir uns doch erst seit 5 Tagen! Aber auch Jonni & Stephen aus England, die wir kurz in Nicaragua kennen gelernt haben und die zufällig auch heute in Cartagena sind, offerieren uns spontan ihre Hilfe. Ist das nicht toll?!

Noch wissen wir nicht genau, in welcher Höhe wir selber für den Schaden aufkommen müssen aber wir sind guten Mutes, dass uns bis auf eine kleine Selbsthaftung und Gebühr alles erstattet wird. Wozu ist auch sonst eine Kreditkarte gut?!? Bank und Polizei fordern diverse Stellungnahmen und Unterlagen und dank moderner Technik wie USB-Stick, Internet-Cafés mit Drucker und Scanner können wir dies alles in der Altstadt erledigen.

Außerdem starten wir auch den Papierkram und die Behördengänge, damit wir bald Gypsy abholen können. So rennen und fahren wir viel durch die Stadt und schwitzen bereits morgens um halb neun bei 30 °C. Nichtsdestotrotz schauen wir uns Cartagena an – eine tolle Stadt! Vielleicht sogar die schönste Stadt auf unserer bisherigen Reise. Herrlich restaurierte Kolonialbauten mit bunten Fassaden und Holzbalkonen, Festungen aus der Piratenzeit, enge Gassen, Kneipen, Restaurants, Cafés, Straßenverkäufer, Menschen aus aller Welt und ein ganz besonderes Flair und ein reges Treiben. Es gefällt uns super gut und wir lassen uns von der guten Laune dieser Stadt anstecken. Insbesondere am Abend steppt hier der Bär – überall ist etwas los, wir ziehen mit Heidi und Jean-Luc durch Getsemani und es dürstet uns nach kaltem Bier oder leckeren Cocktails. Natürlich testen wir auch die Restaurants und verbringen eine wunderschöne Zeit in Cartagena. Insgesamt bleiben wir vier Nächte im Hotel, obwohl wir nach zwei Nächten schon wieder in Gypsy hätten nächtigen können. Aber es ist so heiß...da ziehen wir ausnahmsweise mal das klimatisierte Hotelzimmer vor. Das Auto steht aber ganz in der Nähe sicher auf dem Parkplatz des Convention Center (23.000 Pesos/Tag). Und natürlich begleichen wir mittels der Zweit-Kreditkarte unsere Schulden bei den lieben Privatbankiers.