Auf in kühlere Gefilde – Minca

Die Perle Cartagena zu verlassen fällt uns schwer. Leider trennen sich hier auch vorerst unsere Wege von Heidi und Jean-Luc, sind aber optimistisch, dass wir uns bald wieder begegnen und freuen uns schon darauf.

Am Stadtrand von Cartagena lassen wir bei Cartagas unsere Gasflaschen befüllen (N10.31967 W75.50175 - auch samstags geöffnet) und machen danach noch einen Stopp in einem extrem trubeligen (und nicht schönen!) Stadtteil von Cartagena um einen großen Supermarkt aufzusuchen. Wir parken, steigen aus und schwupps werden wir von mehreren zwielichtigen Typen umlagert, die wild auf uns einreden oder unser Auto bewachen wollen. Hm, ist wohl keine so gute Idee hier zu parken… Ein vorbeifahrendes Auto stoppt und ein gut gekleidetes kolumb. Paar bestätigt unser Mißtrauen, das Auto hier nicht alleine abzustellen. Also schiebt Torsten im/am Landy Wache und Doris erledigt den Einkauf im Laufschritt – blöderweise ist der Laden brechend voll und die Kolumbianer machen gerade Hamsterkäufe. So dauert es an der Kasse eine gefühlte Stunde… Man könnte glauben, wir sind erst drei Tage unterwegs – klassischer Anfängerfehler. Warum hier anhalten? Supermärkte gibt es überall. Nun ja, manchmal fassen wir uns selbst an den Kopf und ermahnen uns, vorsichtig zu sein. Aber heute geht nochmal alles gut!

Der blöde Supermarkt-Stopp führt uns durch extrem wuseligen Stadtverkehr mit Baustellen, Umleitungen und Tausenden von bekloppten Taxi-/Auto-/Bus- oder Mopedfahrern. Regeln und Disziplin gibt es hier nicht. Es wird gehupt, gedrängelt, links und rechts überholt, noch mehr gehupt, wie wahnsinnig gebremst und beschleunigt und auch mal gerne angeeckt – zum Glück nicht an unserem Auto. Busse halten überall, gefühlt alle drei Meter. Taxifahrer transportieren ganze Haushalte (vornehmlich Betten) und machen Wettrennen als ginge es um Leben und Tod. Mopedfahrer schlängeln sich durch nicht vorhandende Lücken und befördern nicht nur schweres Gepäck sondern auch gerne zwei weitere Passagiere. LKWs verlassen sich auf die Macht des Stärkeren und Fußgänger kreuzen immer und überall die Straße. Und weil das noch nicht genug ist gibt es auch noch Straßenverkäufer. Kaffee gefällig? Ladekabel? Lose für die Lotterie? Kurz gesagt: Chaos! Dies übertrifft alles, was wir bislang auf der Reise an Szenen im Straßenverkehr erlebt haben. Holla die Waldfee – beim Fahren verwandeln sich die Kolumbianer in ungezähmte Bestien.

Nach mehreren Stunden Fahrt entlang der heißen Küste mit teils schönen aber auch teils weniger schönen und vertrockneten Landschaften erreichen wir vor Santa Marta den Abzweiger in die Berge der Sierra Nevada. Wer von euch weiß, dass es sich hierbei um das höchste Küstengebirge der Erde handelt?! Nirgendwo sonst auf der Welt erheben sich derart hohe Berge (bis 5775 m) so nah an der Küste. Klingt sehr dramatisch und ist aus einer entsprechenden Perspektive sicher auch ein toller Anblick, jedoch sieht man bei der Anfahrt zwar hohe Berge, jedoch keine Giganten mit schneebedeckten Gipfeln. Diese liegen blöderweise so, dass wir sie nicht sehen können. Schade. Nichtsdestotrotz ist die Fahrt in höhere Gefilde schön und mit jedem Höhenmeter wird die Landschaft grüner und die Natur üppiger. Unser Ziel heißt Minca, ein Bergdorf auf etwa 680 m Höhe. Dort finden wir etwa 1,5 Kilometer außerhalb einen tollen Campingplatz beim Hostal Colonial. Die Einfahrt ist im Gegensatz zu anderen Unterkünften in der Gegend problemlos zu meistern und der Stellplatz ist wunderschön: Mango- und Avocadobäume, schöner Blick ins Tal bis zur Küste, von Bergen umgeben, kleiner Pool, gemütliche Terrasse mit Hängematten, Dusche/ WC, WiFi und sehr nette Besitzer. Das alles zum Schnäppchenpreis von 15.000 Pesos/Nacht (5,80 €). Die Temperaturen sind tagsüber warm, nachts angenehm kühl. Hier gefällt es uns und wir bleiben vier Nächte. Wir lümmeln in den Hängematten herum, re-organisieren den Landy, machen erstmals mehrere Teile Handwäsche und freuen uns des Lebens. Der Platz ist ein friedliches Naturparadies und es gibt eine Vielzahl an Vögel zu beobachten. Ach, was geht es uns gut!

Den Ort Minca suchen wir nur 1 x mal auf, weil das Restaurant des Hostels montags geschlossen hat und wir keine Lust haben, selbst zu kochen. Also machen wir in der Dämmerung mit Stirnlampe ausgestattet einen 10 minütigen Spaziergang ins Dorf, sehen drei bis unter die Zähne bewaffnete Militär auf Patrouille, essen im Restaurant zu Abend und hoffen auf ein Taxi zurück. Fehlanzeige, bzw. es gibt nur Moto-Taxis, sprich Mopeds. Klar können wir uns zwei davon mieten aber die Restaurantbesitzer sowie der gerade dort pausierende Polizist empfehlen uns den Fußweg zurück zum Hostal. Sei alles „seguro“ sprich sicher hier. Sportlichen Schrittes treten wir also den Rückweg an und außer drei kläffenden Hunden läuft uns nichts und niemand über den Weg.

Damit wir nicht in der Hängematte festwachsen machen wir einen Spaziergang zum Fluss und einem Mini-Wasserfall, dann zu den Felsbecken Pozo Azul und weiter bergauf zur alten Kaffee-Finca „La Victoria“ aus dem Jahre 1892. Hier nehmen wir an der Führung teil und kosten den Kaffee, der nur als „Tinto“ also schwarzer Kaffee angeboten wird. Da wir beide nur Kaffee mit Milch trinken ist das nicht so unser Ding aber die alten Maschinen der kleinen Finca sind interessant.

Wunderbar entspannt sind wir bereit „mehr“ von Kolumbien zu sehen!