Granada – Kolonialstadt und Reparaturarbeiten

Die ehemalige Hauptstadt von Nicaragua "Granada" ist fast schon "Pflichtprogramm" für Nicaragua-Reisende. Natürlich wollen auch wir uns dieses Highlight nicht entgehen lassen.

Zudem wollen bzw. müssen wir unsere Wohnkabine ein wenig richten. In den vergangenen Tagen und Wochen hat sich irgendwie der Fußteil der Kabine ein wenig vom Hauptteil gelöst und somit zu einer leichten Schieflage der Kabine geführt. Offensichtlich hat der 11 Jahre alte Kleber an einem Tragwinkel seinen Dienst versagt. Innen lässt sich aufgrund der Schieflage die vielbenutzte Badezimmertür nur noch schwer öffnen und außen haben wir das Dach des Landys vorsichtshalber mit einer multifunktionalen Poolnudel vor Kontakt mit dem Alkovendach geschützt. Natürlich kein Dauerzustand! Glücklicherweise haben wir vom Hersteller der Kabine „Tischer“ eine ausführliche "Anleitung zur Selbsthilfe" bekommen und sind daher frohen Mutes, in Granada entsprechende Hilfe und Material zu finden.

An der Stadtgrenze von Granada angekommen zieht uns aber erst mal das neue Einkaufszentrum mit Supermarkt und Pizzeria magisch an. Schnell Vorräte aufstocken und dann gemütlich auf der Terrasse eine leckere Pizza essen. Gut gelaunt kehren wir zum Landy zurück und wundern uns über eine riesige Öllache unter dem Fahrzeug. Ein kurzer Blick lässt nichts Gutes ahnen: Der Ölmessstab zeigt gerade mal noch Minimum an und der komplette Motor und Unterboden sind ölverschmiert. O.K. - ein neues Projekt mit oberster Priorität. Damit wir überhaupt weiter fahren können füllen wir erst mal Öl auf und finden auch schnell die Ursache: eine undichte Ölleitung. Auf dem Weg zu unserem Übernachtungsplatz suchen wir so etwas wie eine Werkstatt. Wir haben Glück, denn auf direktem Weg sehen wir plötzlich auf dem Bürgersteig vor einer kleinen Werkstatt einen alten Defender! Das ist unser Mann - der hat wenigstens schon mal einen Land Rover gesehen. Coco, der Besitzer des "Schuppens" stimmt unserer Fehlerdiagnose zu und bietet uns an, am nächsten Tag um 07:00 Uhr (Sonntag!) das Problem auf seinem Schrauberplatz (Na ja, eigentlich ist es der öffentliche Gehweg) zu beseitigen. Das hört sich doch gut an. Am nächsten Tag gibt es dann eine neue Dichtung für den Landy und das Problem ist für 25 US$ gelöst. Zwar ein "Touristen-Preis" aber dafür hat Coco gute und exakte Arbeit geleistet.

Unser "Campingplatz" ist beim Roten Kreuz, wo man für eine kleine Spende von 50 Cordoba (ca. 1,40 €) übernachten darf. Der Platz ist zwar nicht gerade lauschig, liegt aber genial sprich zentral in der Innenstadt.

Der alte Stadtkern von Granada ist mächtig herausgeputzt und es wimmelt von Restaurants und Bars entlang einer kleinen Fußgängerzone. Ja, das hatten wir wirklich lange nicht mehr. Wir genießen die lokale Kneipen- und Restaurantszene und bummeln ganz gemütlich durch das schöne Granada. Unser Tempo ist im Vergleich zu Zentralamerikanern rasend schnell, aber wir denken, wir bewegen uns sehr langsam - denn es ist brütend warm in Granada und die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel. Große Aktivitäten fallen da sofort flach!

Den Nachmittag verbringen wir weitestgehend im Schatten und besorgen noch ein paar Schrauben und 2-Komponenten-Kleber für unsere Hausreparatur, die wir für Montag geplant haben. Nachdem wir ein wenig rumgefahren sind und gefragt haben, wer diese Reparatur fachmännisch (!) ausführen kann, beschließen wir die Sache lieber selber in die Hand zu nehmen. Alle Handwerker wollten irgendwelche "eigenen" Lösungsansätze finden statt der Reparatur-Anleitung von Tischer zu folgen. Genauigkeit ist eben doch eine deutsche Spezialität.

Nach kurzem Suchen finden wir eine Baustoffhandlung mit großem, ebenen Hinterhof, welcher uns für unser Projekt geeignet erscheint. Doris fragt nett nach und „claro“ dürfen wir den Hof benutzen, unter dem Hallendach parken und uns einige Holzpaletten leihen. Der benachbarte Reifen-Fuzzi stellt uns ganz selbstverständlich seinen Rangierwagenheber zur Verfügung und der angrenzende Holzhändler versteht nach langen Erklärungen, was ein Holzkeil ist und sägt bedarfsgerecht und kostenlos welche zu. Und die fünfte (!) Ferreteria (Eisenwarenhandlung/Baumarkt) hat akzeptable Schrauben und ein Winkeleisen für uns.

Und dann wird’s spannend - beim Absetzen der Kabine schrotten wir diese fast!!! Aufgrund der "Schieflage" lassen sich die Verstrebungen an den Stützen nicht mehr befestigen und als die Kabine hoch aufgebockt dasteht und der Landy darunter weg ist, knicken die beiden vorderen Stützen förmlich nach hinten weg! Ach du Schreck. Ein beherzter Schrei von Doris und schwupps sind 6 super hilfsbereite Menschen vom benachbarten Reifenhändler und dem Baustoffhandel zur Stelle und stützen mit vereinter Kraft die Kabine – ganz knapp schaffen wir es alle zusammen, die Kabine wieder aufzurichten und auf den Paletten und einem dicken LKW Reifen zu platzieren. Puh, das war knapp!

Danach beginnt die eigentliche Arbeit. Von außen und innen werden diverse Schrauben gelöst und dann wird das besagte Unterteil mittels Wagenheber (der abenteuerlich auf Paletten steht) um ein paar Zentimeter nach oben gedrückt. Und zwar so, dass alles wieder schön gerade und im Winkel ist. Natürlich gelingt das nicht auf Anhieb und so brauchen wir beide diverse Anläufe, bis wir zufrieden sind. Bis wir endlich den Kleber von innen anbringen können vergehen ein paar Stunden. Die immer wieder vorbeischauenden Nicaraguaner wundern sich, warum wir immer wieder nachmessen und prüfen ob alles im Winkel ist. Wozu ein so großer Aufwand? Sie meinen, die Aufgabe ist schnell erledigt - einfach ein paar Zentimeter hoch, Schrauben rein und fertig. Unsere wohl angeborene „deutsche Gründlichkeit“ überrascht sie dann doch ein wenig.

Es wird schon dunkel bis der Kleber endlich anzieht, wir die letzte Schraube wieder festziehen und die Kabine unter großem Publikum wieder auf dem Landy montieren. Fertig! Wir sind froh, dass im Endeffekt unter diesen Bedingungen alles so gut geklappt hat und unser Zuhause wieder gerade ist!

Müde und hungrig kehren wir zurück zum Platz beim Roten Kreuz und gehen in die Stadt zum Abendessen. Prost – auf dass die Kabine wieder heile ist.