Wir drücken die Schulbank - Antigua

Um die nächste Fahretappe kurz zu halten stoppen wir in Cóban, einer nicht-touristischen Stadt. Die Besichtigung einer renommierten Kaffee-Finca bleibt uns wegen Renovierungsarbeiten leider verwehrt und so landen wir stattdessen in einem neuen Einkaufszentrum à la USA. Es gibt jede Menge Läden namhafter Marken und wir schlürfen Cappuccino im modernsten McCafé aller Zeiten. Übernachten dürfen wir in Cóban im Parque Nacional Las Victorias, einem riesigen Waldschutzgebiet nahe der City.

Durch wunderschönes, grünes Hochland mit Kaffeeplantagen, extrem Steilhängen mit Maisfeldern und dann vorbei an Tomaten- und Gemüseanbaugebieten sowie Kiefern- und Laubwäldern geht es im stetigen Auf und Ab durch ein relativ sauberes Guatemala. Die Hauptstraßen sind gut befahrbar und der Verkehr hält sich in Grenzen. Je mehr wir uns jedoch Guatemala City nähern, desto trostloser, mülliger und unansehlicher wird die Umgebung. Staubtrocken ist es hier und Menschen, Tiere und Natur warten sehnsüchtig auf Regen. Die Straße nach „Guate City“ fällt teilweise extrem steil ab und wir hoffen, dass die Bremsen der anderen Verkehrsteilnehmer in ebenso gutem Zustand sind wie die unseres Landys… Und zum Glück sind die Straßen trocken, denn LKW, Busse und Autos sind mit Slicks unterwegs. Gutes Reifenprofil wird völlig überbewertet…Beängstigend.

Wir schaffen es, uns im Gewimmel der Großstadt nur 1 x zu verfahren und nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir „La Antigua“, einstige Hauptstadt Guatemalas und eine echte Perle. Eine schöne Kolonialstadt mit wunderbar restaurierten Gebäuden, Gassen mit Kopfsteinpflaster, toller Plaza und unzähligen Cafés und Restaurants. Antigua bildet auch den touristischen Mittelpunkt Guatemalas und wir vergleichen die Stadt mit San Miguel de Allende in Mexiko – glücklicherweise noch nicht ganz so stark in amerikanischer Hand.

In Antigua frönen wir nicht nur dem guten Essen und dem Müßiggang, nein, nein. Wir sind fleißig und besuchen 5 Tage lang die Sprachschule und lernen von 8 – 12 Uhr Spanisch, Einzelunterricht versteht sich. Wessen grandiose Idee war das eigentlich??? Zu Beginn ist das Lernen für uns ungewohnt und unsere Lehrerinnen Mirna und Silvia wirken etwas planlos. Die nächsten Tage steigern sie sich dann – oder wir?!? Auch lästige Hausaufgaben sind zu bewältigen und obwohl wir beide Fortschritte machen sind wir doch froh, als der Unterricht wieder vorbei ist. Zum Abschied laden wir die Damen auf eine echte deutsche Currywurst ein – sie sind begeistert. Neben Spanisch haben wir auch viel über die Menschen, die Kultur und das harte Leben in Guatemala gelernt und würden gerne die meckernden deutschen Hartz IV Empfänger mal zur Besinnung in dieses Land schicken.

In Antigua dürfen Camper auf dem Gelände der Tourismus-Polizei gastieren. Die Sanitäranlagen sind zwar grenzwertig aber der Platz ist sicher und gratis – kleine Spenden in Form von Naturalien lehnen die Diensthabenden jedoch nicht ab. Am ersten Tag befinden sich insgesamt 8 Reisefahrzeuge auf dem Platz, davon 6 aus Europa! Hier lernen wir u.a. Fabienne und Ivan kennen, die aus der Schweiz stammen, in Kanada wohnen, nun 6 Monate reisen und dann wieder 6 Monate arbeiten um dann wieder die Reise fortsetzen. Auch nicht übel! Es gibt viel zu erzählen und wir hoffen, dass wir uns irgendwann, irgendwo wieder treffen. Wir treffen auch Fiona und Matt wieder. Die beiden haben für mehrere Tage ein Hostel gebucht und wir haben bei mehreren gemeinsamen Abenden viel Spaß.

Insgesamt bleiben wir 7 Nächte in Antigua, obwohl offiziell auf dem Platz nur 5 Nächte erlaubt sind. Mit Hinweis auf unseren Sprachkurs und mehrfachem Vorsprechen dürfen wir dann 7 Nächte bleiben, frei nach dem Motto „Todo es posible“ – Alles ist möglich. Wir sollen unsere Visitenkarte auf die Bürotür des Polizeichefs kleben – als Werbung für den guten Service der Touri-Polizei. Machen wir gerne! Außerdem hinterlassen wir den Polizisten als Dankeschön eine Riesentorte und kühle Getränke, alkoholfrei versteht sich, denn auf dem Gelände herrscht Alkoholverbot und ähnlich einer altmodischen Jugendherberge müssen die Gäste brav um 22 Uhr und ohne Alkoholeinfluss im Camper sein.

Auf unsere Frage, ob ein bestimmter Wanderweg in der Nähe von Antigua sicher sei meint eine Polizistin übrigens mit hoch gezogenen Augenbrauen „Nada es seguro in Guatemala!“ – Nichts ist sicher in Guatemala. Na, das ist mal ermutigend…