Lago Izabal, Aguas Calientes, Semuc Champey

Vom Lago Izabal, dem größten See Guatemalas, fließt bis zur karibischen Küste der rund 40 km lange Rio Dulce, der süße Fluß. Im Zentrum des gleichnamigen Ortes machen wir zwar eine längere Mittagspause, wollen aber aufgrund des mega Durchgangsverkehrs nicht hier nächtigen. Also suchen wir uns ein Nachtquartier am schönen See und werden einige Kilometer weiter bei der Finca Paraiso fündig, wo wir den Abend am Seeufer ausklingen lassen. Am nächsten Morgen besuchen wir dann gleich auf der anderen Straßenseite die "Cascadas Aguas Calientes", einen kühlen Gebirgsfluss, in den sich ein kochend heißer, leicht schwefelhaltiger Wasserfall ergießt. Ein kurzer Spaziergang durch den üppig wuchernden Wald und schon sehen wir die Dampfschwaden des Wasserfalls. Wir steigen ins lauwarme Wasser und je näher wir dem Wasserfall entgegen schwimmen, desto wärmer wird es und direkt am Wasserfall ist es dann kochend heiß. Während wir das Wechselbad zwischen heiß und kalt genießen, beißen uns immer wieder kleine, aber ziemlich freche Fische in die Waden. Tja, die Naturidylle hat auch hier wieder kleine Plagegeister.

Nach dem warmen Bad fahren wir durch das bergige Hinterland der "Sierra de Santa Cruz", in Richtung "Semuc Champey". Zwar ist auf unserer Karte keine Straße mehr verzeichnet, aber gleich 2 Personen sichern uns zu, dass extra für die Touristen eine Straße nach Lanquin gebaut wurde. Na dann los – schließlich fahren wir ja einen Landy und damit sollte das also zu schaffen sein. Kurz hinter der Abzweigung stellt sich die Straße für Touristen dann aber als ziemliche Rumpelstrecke heraus und führt über unzählige Hügelketten durch fantastisch-grünes Hinterland, vorbei an kleinen Dörfern und primitivsten Behausungen. So viel ist sicher: Hier kommen nur wenige Touristen vorbei! Die Indios starren uns allesamt neugierig an und ein Vater zeigt seinem Sohn ganz aufgeregt unser abenteuerliches Gefährt mit den hellhäutigen Insassen. Sobald wir den Menschen zuwinken verändert sich ihr Gesichtsausdruck zu einem breiten Lächeln und sie winken uns freudig zurück, oder pfeifen zur Begrüßung. Über vier Stunden rumpeln wir scheinbar endlos bergauf und bergab und bezeichnen unseren Ausflug als Jeep-Safari. Endlich im Ort Lanquin angekommen wähnen wir uns schon am Ziel, doch „Semuc Champey“ liegt noch weitere 9 km tiefer im Urwald. Im Reiseführer wird die Straße als katastrophal bezeichnet – das hätten wir ernst nehmen sollen. Die Piste (Straße oder Weg kann man wirklich nicht sagen) bringt Mensch und Material dann so ziemlich an die Grenzen. In etlichen Kurven geht es auf einem schmalen Weg dann steil hinab – mit Gegenverkehr versteht sich - und so brauchen wir gut 1 Stunde für dieses letzte Stück. Blöderweise kommen wir erst bei Einbruch der Dunkelheit an und der von anderen Reisenden angepriesene Parkplatz als Übernachtungsgelegenheit sagt uns nach dieser Höllenfahrt gar nicht zu. Wir parken wieder aus und können zum Glück im nur 30 m entfernten Hostel für nur 30 Quetzales auf dem Parkplatz im Garten unter wunderschönen Kakaobäumen übernachten. Außerdem bietet das Hostel eine gemütliche Terrasse, leckeres Essen zu günstigen Preisen und eisgekühltes Bier. Das haben wir uns redlich verdient! Der Landy darf nun auch verschnaufen und hat sich wirklich tapfer geschlagen – schließlich wuchtet er die voll beladene Kabine durch dieses Terrain.

Am nächsten Tag sind wir dann ganz gespannt auf das Naturwunder „Semuc Champey“, was so viel bedeutet wie „dort wo der Fluss in der Erde verschwindet“. Wir wandern zum Aussichtspunkt „Miradores“ und staunen nicht schlecht! Ein sagenhafter Blick ins grüne Tal und den durch die Schlucht fließenden „Rio Cabahon". Am Anfang einer 400 Meter langen Kalksteinplatte hat sich der Fluss in etlichen Jahren ein neues, unterirdisches Flussbett geschaffen, also der Punkt, wo der Fluss in der Erde verschwindet. Überirdisch befinden sich dann auf der „Landbrücke“ etliche Kalksteinterrassen, von denen das klare Wasser treppenförmig in natürliche Pools fließt. In diesem grün/blau schimmernden Naturphänomen baden wir vormittags und nachmittags nochmal und genießen den wolkenlosen Tag. Wer hat da schon Bock gleich wieder zu fahren? Also hängen wir noch eine Nacht dran und genießen die herrliche Umgebung von Semuc Champey. Vergessen sind die Strapazen der Anreise – zumindest bis zur Abreise ;-) Derart beeindruckt von dem Naturspektakel empfinden wir die 9 km Rückfahrt bis nach Lanquin dann nicht mehr ganz so schlimm.