Finca Ixobal – Entspannen und Ausreiten

Der gestrige Tag war anstrengend, deshalb entspannen und genießen wir die Ruhe auf dem großzügigen Anwesen der Finca. Unser Kühlschrank ist gut gefüllt und nach einem ausgedehnten Frühstück mit Schinken "Schwarzwälder Art", Mehrkorn-Toast, Orangensaft und zwei Cappuccino kommen wir langsam in die Gänge. Wir lernen Fiona und Matt aus Australien kennen, die mit Motorrädern die PanAmericana von Süd nach Nord bereisen. Wir tauschen intensiv Reiseerfahrungen aus und stellen fest: Sehr angenehme Gesprächspartner diese Aussis.

Während Torsten das Internet Orakel nach Reisetipps befragt, entscheide ich mich spontan zu einem Ausritt. Da ich die einzige Interessierte bin, schöpfe ich Hoffnung auf einen "flotten" Ritt. Damit ich auf gar keinen Fall einen lahmarschigen Gaul zugeteilt bekomme mache ich in Spanisch und Englisch klar, dass ich eine erfahrene Reiterin bin und ein temperamentvolles Pferd reiten möchte. Mein Wunsch wird wohlwollend entgegen genommen und mir wird „eine echte Herausforderung“ versprochen. Ob ich mich da mal nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt habe? Eine Stunde später soll es los gehen. Kurz aufkommende Zweifel vergehen schnell, denn beim Anblick zweier gesattelter Pferde frage ich mich schon, wo denn bitte das mir versprochene wilde Ungestüm sein soll?! „Bronze“ heißt mein Pferd - der kleine, wohl genährte Fuchswallach ist keineswegs Fury sondern eher Typ Schlaftablette. Seine Hufe sind ziemlich ausgefranst, er lässt den Knopf hängen und trottet ganz gemütlich dem vorausreitenden Fernando und der Schimmelstute hinterher. Ein Weidetor wird uns von einem uniformierten und schwer bewaffneten Militär freundlich geöffnet. Fernando kommentiert dies nicht. Von einem Hügel mit guter Aussicht demonstriert er mir die Größe der Finca und die umliegenden Orte. In einem riesigen Umkreis prägen Kiefernwälder, Wiesen und hoch aufragende Hügel das Bild. Der Boden ist steinig und „Bronze“ sucht mangels Hufeisen lieber weichen Untergrund. Im Schritttempo geht es durch dichtes Gestrüpp und wir treffen indigene Frauen mit kleinen Kindern, die auf der Suche nach Feuerholz sind, welches sie in kleinen Bündeln mühselig nach Hause tragen. „Bronze“ hat es nicht gerade eilig und weder meine aufmunternde Stimme noch das Schnalzen mit der Zunge beeindrucken ihn. Ohne stetiges Antreiben mit meinen Beinen oder einem aufmunternden Schlag mit dem Zügelende auf sein Hinterteil zockelt er wie ein Komapatient umher. Die Herausforderung besteht also für mich darin, dieses arme Tier überhaupt zur Bewegung zu animieren. Ok, mit mehr als 15 (!) vollgesogenen Zecken im Ohr würde ich mich vermutlich auch schlapp fühlen. Ich habe Mitleid mit „Bronze“ und bin erstaunt, dass ich ihn wundersamerweise auf weicherem Boden doch noch zum Galopp ermuntern kann und wir nun auf kurzen Passagen ein schnelleres Tempo einlegen. Immerhin habe ich jetzt annähernd das Gefühl zu reiten. Die überaus grüne Natur hat Orchideen und Passionsblumen zu bieten und die waldigen Abschnitte erinnern mich ein klein wenig an Zuhause, die Eifel. Während des zweistündigen Ausritts kommen Erinnerungen in mir hoch:

Wie toll meine Heimat zum Reiten ist! Herrliche Mischwälder mit frühlingsgrünen Blättern oder buntem Herbstlaub, kahle Äste im Winter oder schneebedeckte Tannenspitzen, abwechslungsreiches Gelände und unzählige Möglichkeiten an Wegen. Schade nur, dass ich in den vergangenen Jahren viel zu wenig Zeit zum Ausreiten hatte! So ist mein einst liebstes Hobby stark in den Hintergrund geraten. Ich schwelge in Erinnerungen an meine eigenen Pferde, die mit unbändiger Energie, forschem Schritt und temperamentvollem Galopp und stets wachen Augen mit mir die Eifel erkundet haben. Ach, das war eine tolle Zeit!!! Ein bisschen Nostalgie darf sein, oder?!