San Ignacio

 

Zurück via Hummingbird Highway und den Western Highway gelangen wir nach San Ignacio. Unser Übernachtungsplatz für die nächsten Tage ist das River Park Inn (ehemals Kosmos Camping), nur 10 Gehminuten vom Zentrum entfernt. Der Besitzer „Bing“ sieht aus wie ein Chinese, beteuert aber ein echter Maya zu sein und bietet auf seinem schönen, großen Grundstück nicht nur Camping an (20 B$ pro Nacht), sondern auch einen Wäscheservice und eine Schneiderei und flickt preiswert ein Paar Shorts.

In San Ignacio haben wir einen wichtigen Anlaufpunkt: den Land Rover Fachmann Graham, der hier seit über 8 Jahren eine Werkstatt betreibt und sich ausschließlich auf Land Rover Defender spezialisiert hat und alle wichtigen Ersatzteile auf Lager hat. Nachdem wir unser Haus vom Landy abgesetzt haben steht der Inspektion nichts mehr im Wege. Auf unserer Liste stehen schon die Bremsbeläge, Stoßdämpfer und einige der üblichen Wartungsarbeiten. Nach der Durchsicht durch Graham wird die Liste um Radlagerdichtung und diverse Gummilagerungen erweitert. Aber zum Glück alles nur Kleinigkeiten und unter „Verschleiß“ zu verbuchen. Alles im allem wird unserem Landy mal wieder ein sehr guter Zustand attestiert, was uns natürlich sehr erleichtert und erfreut. Glücklicherweise kann Graham die Arbeiten für den nächsten Nachmittag einschieben.

Morgens um 7 Uhr verfolgen wir den spektakulären Start des weltberühmten Ruta Maya Kanu Rennens. Das Rennen von San Ignacio bis nach Belize City dauert 4 Tage und am Flußufer scheint die ganze Stadt auf den Beinen zu sein und die Fans feuern ihre Teams an. Das Spektakel ist jedoch schnell vorbei denn sobald die Kanus aus dem Blickwinkel verschwunden sind, kehrt wieder karibisch-entspannte Ruhe ein.

Später erkunden wir noch das nah gelegene Spanish Lookout, eine große, moderne Mennoniten Siedlung, welche mit einer handbetriebenen Fähre über den Fluss erreichbar ist. Hier ist ganz offensichtlich der Wohlstand eingetroffen und wir wähnen uns eher in den USA als in Belize. Die Mennoniten tragen zwar noch ihre Tracht und sprechen ihre eigene Sprache (sie nennen es „Low German“), aber ansonsten erinnert hier nichts an ein einfaches Leben ohne Technik oder Fortschritt. So viele neue und protzige Autos haben wir seit Langem nicht mehr gesehen und zu kaufen gibt es alles, was das Herz begehrt. Kein Wunder, dass diese modernen Mennoniten von den Belizianern gerne Moneynites genannt werden.

 

Zurück bei Graham in der Werkstatt geht es pünktlich um 13:00 Uhr los und bis zu 3 Personen schrauben gleichzeitig am Landy herum. Trotz diverser Mittelchen weigern sich fast alle Schrauben hartnäckig bis zur letzten Windung. Das Lösen wird zur echten Keulerei und auch Belizianer können richtig schwitzen! Da die Bremskolben nur schwer wieder in die Originalstellung zurück wollen reichen die angesetzten 4 Stunden leider nicht aus und so ist es schon dunkel, als der Landy wieder auf festem Boden zum stehen kommt. Aber alle Arbeiten sind erledigt und somit steht der Weiterfahrt am Montag nach Guatemala ja nichts mehr im Wege…Denken wir…

Denn dieser Plan währt nicht lange. Bei der Rückfahrt merken wir sofort, dass das Auto leicht nach rechts zieht und das Lenkrad nicht mehr gerade steht. Irgendetwas stimmt nicht. Ein kurzer Blick am nächsten Morgen bei Tageslicht bestätigt den Verdacht: Die Lenkstange hat auf einmal einen Knick, der vorher nicht da war und auch definitiv nicht dort hingehört! Da müssen wir wohl die Ausreise verschieben, denn nun ist Wochenende und am Montag ist Feiertag. Zum Glück treffen wir Graham samstags auf dem Markt und schildern das Problem. Er hat zwar spontan keine Erklärung parat, aber am Dienstag um 08:00 Uhr will er den Schaden wieder beheben.

 

In der Mittagshitze fahren wir dann mit den Fahrrädern los, um einem heißen Tipp zu folgen: Das deutsche Paar Claudia & Franklin ist vor etwa 4 Jahren nach Belize ausgewandert und betreibt am Ortsrand von San Ignacio ein stilvolles Gästehaus mit schönen Cabanas. Claudia hat sich außerdem ein Namen als hervorragende Bäckerin gemacht und verkauft selbst gebackenes Brot und Brötchen! Also radeln wir mehrere Kilometer durch das Hügelland zum wunderschönen Anwesen www.vanilla-hills.com Claudia und Franklin empfangen uns super freundlich, nehmen sich sofort Zeit für uns und sind äußerst angenehme, interessante und nette Gesprächspartner. Wir verbringen einen herrlichen Nachmittag mit den beiden und werden noch zu einer Brotzeitzeit mit fantastischen Weltmeister- und Laugenbrötchen, köstlichem selbstgemachten Brie und weiteren Leckerbissen eingeladen! So leckere Brötchen hatten wir nun schon seit 10 Monaten nicht mehr. Eine tolle Erfahrung als „Fremder“ wie ein „Freund“ behandelt zu werden. Das sind genau das „Menschliche“ und die „Gelassenheit“, die im deutschen Alltagsstress zu oft verloren gehen. Schön, dass wir ein Stück davon hier wieder finden J. Vielen lieben Dank für diese außergewöhnliche Gastfreundschaft!!!

 

Am „langen Wochenende“ erfreut sich der Landy (befreit von der Kabine) über eine lange Ausfahrt über die extrem holprige Dirt Road in die Mountain Pine Ridge, einem großen Kiefernwaldgebiet. Dank dem Landy ist die Erkundung der „Rio on Pools“ und des „Big Rock Falls“ für uns diesmal nicht anstrengend – aber das Bad in den Pools genießen wir natürlich trotzdem! Wir erkunden noch die kleine, schöne Maya Stätte Xunantunich (sprich Shoo-nan-too-nich), die in der Zeit 200-900 nChr. entstanden ist und erblicken von der Pyramide das wunderbar grüne Belize und sehen bereits die Grenze zu Guatemala.

Abends schlemmen wir im Restaurant Ka-ox Han-nah und treffen dort ein nettes Paar aus Kanada, welches wir schon mehrfach in Belize getroffen haben. Außerdem bereiten wir uns auf den Grenzübertritt nach Guatemala vor. Ja, so ein langes Wochenende ist einfach zu kurz…J.

 

Am Dienstag stehen wir dann um 08:00 Uhr wieder bei Graham auf der Matte. Die Erklärung für die verbogene Lenkstange ist ganz einfach: Beim Herunterlassen des Fahrzeuges hat der „Lehrling“ den Wagenheber wohl falsch angesetzt. Na ja, sollte nicht passieren, aber es war schon dunkel und so ist das eben in Belize. Und Belize ist einfach in jeder Hinsicht UnBELIZEable. Nach 1 Stunde sind alle Restarbeiten erledigt und auf geht’s in Richtung Grenze.