Patzcuaro & die Fahrrad Story

Nach einer landschaftlich sehr schönen Fahrt mit Zwischenstopp und Marktbesuch in einem kleinen Dorf kommen wir gegen Mittag in Patzcuaro an. Dort finden wir beim „Villa Hotel & RV Park“ einen sehr schönen Campingplatz mit einem gepflegten großen Rasen, Obstbäumen, einem Mini-Pool, WiFi und guten Sanitäranlagen. Das erfreut unser Herz und wir freuen uns darauf die Stadt zu erkunden. Patzcuaro ist auch ein Pueblo Magico und verdient diese Auszeichnung in jedem Fall. Wunderbare Bauwerke, schöne Plazas und ein geselliges Treiben laden zum Verweilen ein. So kommt es, dass wir anstatt 2 Tage gleich 4 Tage bleiben. Wie schön, dass wir ja Zeit haben und frei entscheiden können, wie lange wir bleiben wollen! Bei tollem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen um die 27 Grad fahren wir jeden Tag mit dem Fahrrad und genießen unsere Freiheit. Auch rund um die Stadt gibt es viel zu sehen, z.B. den Lago Patzcuaro (See) mit der Insel Janitzio sowie die Ausgrabungsstätte in Tzintzuntzan mit fünf Rundpyramiden. Die Tage vergehen wie im Flug – eine klasse Aufenthalt ohne besondere Vorkommnisse, wäre da nicht die Sache mit den Fahrrädern…

 

Gleich am ersten Tag in Patzcuaro packen wir die Fahrräder aus und radeln in die Stadt. Dort wollen wir dann zu Fuß durch die Märkte und Straßen schlendern. Also ketten wir die Fahrräder gleich mit zwei Schlössern zusammen (kann ja nicht schaden) und da es keinen Fahrradständer gibt verbinden wir unsere Bikes mit einer großen Stahlbühne direkt an der großen Plaza. Scheinbar perfekt. Viele Stunden später, nach ausgiebiger Stadtbesichtigung und leckerem Essen, kommen wir in der Dunkelheit zurück zur Plaza und stellen mit Erstaunen was fest? Die Bühne ist weg! Und somit sind auch unsere Fahrräder weg! Vor fünf Minuten noch bester Laune sind wir völlig schockiert. Nein, wir haben nicht zuviel getrunken und wir sind auch ganz sicher an der richtigen Plaza. Verdammt. Wo sind unsere Fahrräder hin? Sie waren ja fest an die Bühne gekettet und nun sind Bühne und Räder weg. Was soll das bedeuten? Versteckte Kamera? Vermutlich nicht. Haben wir vor wenigen Minuten noch zahlreiche Polizisten gesehen, so sind sie nun, wenn man sie mal gebrauchen könnte, wie vom Erdboden verschwunden. Die jungen Mädels in der Tourist-Info auf der gegenüberliegenden Straßenseite kichern nur als sie unsere Story hören. Helfen können sie uns nicht, wissen nicht, wer für die Bühne oder deren Abbau zuständig ist oder was wir sonst unternehmen können. Na bravo. Nächster Versuch: Eine ältere, freundliche Mitarbeiterin der Straßenreinigung verweist uns an den Fahrradladen an der Ecke. Ja, den kennen wir schon, denn dort haben wir mittags ein paar Ersatzteile gekauft und mit dem Besitzer geplaudert. Ein kleiner Lichtblick am Horizont, denn dieser Mann verkauft nicht nur Fahrräder sondern spricht auch hervorragend Englisch, so dass wir nicht weiter in Spanisch stottern müssen. Der Fahrradhändler ist überaus hilfsbereit und sehr zuversichtlich, dass die Fahrräder wieder auftauchen. Ohne lange zu zögern beginnt er herum zu telefonieren.

Ein „Plan B“ kann sicher nicht schaden und so beginnt eine parallele Suchstrategie. Doris findet schließlich zwei Polizisten und erklärt unser Anliegen. Nach reichlich Verwirrung (die nicht nur an der spanischen Sprache lag), mehrfachem Schulterzucken und Hartnäckigkeit à la Doris nimmt sich die Policia dann doch der Sache an – zwar etwas wiederwillig aber immerhin. Mit Doris im Schlepptau geht es dann mehrfach quer über die belebte Plaza und durch diverse Gassen zu diversen Anlaufstellen, um die möglichen Verantwortlichen oder aber Aufbewahrungsorte in der Stadt aufzusuchen. Irgendjemand muss doch wissen wer für den Bühnenabbau verantwortlich ist. Angeblich koordiniert das die Tourist-Info – nur wissen die Grazien dort von Nichts. Schnell wird klar, dass die Klärung des Verantwortlichen sich als große Herausforderung erweist. Keiner weiß Bescheid und außer Schulterzucken passiert nicht viel. Während Doris also weiterhin mit den beiden Polizisten durch die Stadt jagt, bleibt Torsten beim freundlichen Fahrradhändler, der inzwischen Frau und Sohn mit der Suche beauftragt hat.

Nach rund einer Stunde steht fest: Die Fahrräder sind leider nicht im „Gemeindebüro“, der Bürgermeister wurde vergebens in seiner Nachtruhe gestört und niemand hat eine Idee, wer die Bühne abgebaut hat. Es bleibt uns nur noch die Möglichkeit den Vorfall bei der Polizei zu Protokoll zu bringen. Also trottet Doris wieder mit den Polizisten durch die ganze Stadt (mit dem leuchtend grünen T-Shirt kennt mich nun wirklich jeder) zum Polizeipräsidium. Dort angekommen wird das Problem zunächst mit dem Wachmann diskutiert, der auch völlig unwissend ist. Ganz plötzlich taucht neben dem Wachmann ein nicht-uniformierter Mann auf und mischt sich ein. Doris versteht sofort die Schlüsselwörter „bicicletas“ und „plaza“, drängt sich an den Polizisten vorbei und übernimmt das Gespräch – glücklicherweise spricht der Typ sofort Englisch. Ja, er hat den Auftrag von der Stadt gehabt die Bühne abzubauen und natürlich hat der die Fahrräder gesehen, die an dem Metall angekettet waren. Er hat ganz schön Keulen müssen, um die Fahrräder auf den Pick-up zu wuchten und sie dann im Präsidium unter Verschluß zu bringen. Klar sind die Fahrräder noch da! Schon geht es mit den Polizisten und dem freundlichen Mann quer durch das Gebäude, Treppe rauf, durch einen Saal, Treppe runter, über den Hof und dann in einem kleinen Kabuff hinter verschlossener Tür stehen unsere geliebten Drahtesel! Was für eine Erleichterung. Blöd ist nur, dass Torsten noch beim Fahrradladen wartet und den Schlüssel für die Schlösser hat.. Also tragen die beiden Polizisten die Fahrräder: über den Hof, Treppe rauf, durch den Saal, die Treppe runter, quer durch das Gebäude: Mit Schweißperlen auf der Stirn wollen sie die Fahrräder zum Schlüssel tragen, durch die ganze Stadt versteht sich. Hm, gibt es da nicht eine bessere Lösung? Auf charmante Weise überzeugt Doris die Polizisten, dass es einfacher ist den Schlüssel zu holen…Gesagt, getan. Nach einer rund 2,5 Stündigen Aktion haben wir unsere Fahrräder endlich wieder und radeln fix und fertig zum Campingplatz zurück. Am nächsten Morgen bedanken wir uns mit einer Flasche Wein und Süßigkeiten beim Fahrradhändler und dem freundlichen Bühnenabbauer.

Und die Moral von der Geschicht‘: Kette dein Fahrrad an eine mobile Bühne nicht!  :-)