Die Vulkane El Fuego und Nevado

Auf dem Weg zum Vulkan besichtigen wir noch kurz die Stadt Colima im gleichnamigen Bundesstaat. Wir bummeln durch die Gassen, beobachten wie die Weihnachtsdeko täglich zunimmt und wie unterschiedlich „Hinterteile“ in Europa und in Mexiko dargestellt werden ;-)  Nach einem leckerem Mahl soll es dann an die Südflanke des Vulkans „El Fuego de Colima“ gehen. Doch dann werden wir zum ersten Mal auf der gesamten Reise von der Polizei angehalten. Wie schon bei den mex. Militärkontrollen oder auch in der USA bei verschiedenen Anlässen praktiziert, zeigen wir unsere „gefälschten“ Ausweise vor. Der Mexikaner ist jedoch der Erste, der unseren - zugegebener weise billigen „Fälschungen“, misstraut und mit hochgezogener Miene bemerkt, dass das Papier sehr dünn sei. Wir bekräftigen dennoch, dass es sich um „Originale“ handelt und da er es auch nicht besser weiß, nimmt er unsere Antwort mit einem Grinsen hin. Noch ein paar Übersetzungen zum deutschen Führerschein und Personalausweis und dann ist die Kontrolle auch schon vorbei. Der freundliche Polizist gibt uns noch diverse Tipps wie wir am besten zum Vulkan kommen und wo wir übernachten können und dann geht unsere Fahrt weiter.

Am Fuße des 3800 Meter hohen und immer noch aktiven Vulkans angekommen, wollen wir uns erst mal ein wenig akklimatisieren, schließlich kommen wir ja direkt von der Höhe des Meeresspiegels. Wir übernachten in Carrizalillo auf einem Gelände, welches seit Ende der 70er Jahre als „Ecoturismo“ ausgezeichnet ist. Es gibt einen kleinen See mit Bootsverleih, Picknicktische, Fremdenzimmer und Campingplätze. Für schlappe 40 Pesos schlafen wir hier wunderbar ruhig, denn es sind nur ganz wenige Leute da. Am nächsten Morgen fahren wir noch ein paar Kilometer näher an den Vulkan heran und machen in Yerbabuena eine Wanderung durch eine großzügig angelegte Avocado-Plantage mit herrlichem Blick auf den Vulkan und das wunderschöne grüne Hochland. Mehrfach rumort der Vulkan (hört sich genauso an wie man das von Dokumentarfilmen kennt) und stößt dann recht imposante Rauchwolken aus. Zum Glück beruhigt sich der „El Fuego“ schnell wieder…Wir haben zwar schon auf verschiedenen Reisen Vulkane gesehen, dieser hier ist jedoch der Erste, der eindrücklich beweist, dass in seinem Inneren noch Aktivität herrscht. Am Nachmittag bummeln wir noch ein wenig durch den kleinen Ort Comala, kaufen frisches Rosinenbrot, trinken in einem Lokal an der Plaza ein Bier und erhalten dazu Tacos gratis! So lässt sich das bunte Geschehen mit Verkaufsständen, Reitern und Musikanten noch besser genießen. Zurück in Carrizalillo wundern wir uns, dass das Gelände nun rappelvoll ist. Überall Leute, Autos, Grillfeuer, laute Musik – da fällt uns ein, es ist Sonntag und die Mexikaner verbringen diesen Tag mit der Großfamilie. Abends fahren die meisten Leute dann wieder weg und so ist auch unsere zweite Nacht hier angenehm ruhig.

Für die kommenden Tage verlegen wir unseren Standort weiter nördlich an den höheren Vulkan „El Nevado“. Der Vulkan ist nicht mehr aktiv, 4200 Meter hoch und das Gebiet ist durch einen Nationalpark geschützt. Über eine 17 km lange Schotterpiste geht es von ca. 1900 Meter auf rund 3200 Meter steil bergauf in den Nationalpark. Die Strecke windet sich in unzähligen Kurven nach oben durch den Kiefernwald und wir samt Landy sind froh, als wir oben ankommen. Am Eingang zahlen wir eine Eintrittsgebühr von 27 Pesos pro Person (~ 1,80 €) und dürfen kostenlos im Park campieren. Die Schotterstraße führt dann noch weitere 4 km hoch auf 3750 Meter, wo der Ausgangspunkt der Wanderung und auch eine Möglichkeit zum Campen liegt. Da die Luft hier oben aber schon merklich dünner ist fahren wir wieder ein Stück hinab und finden einen schönen Campingplatz auf 3250 Meter. Wir sind wohl die einzigen Gäste und der Nationalpark erinnert uns ein wenig an einsame Gebiete in den USA.

Da wir möglichst weit an die Spitze des El Nevado heran wandern möchten, aber bitte ohne Kopfschmerzen, machen wir am nächsten Morgen eine 10 km Wanderung zwischen 3200 und 3750 Metern und verbringen eine weitere Nacht auf unserem Platz, wo es nachts deutlich abkühlt und nach langer Zeit die warme Bettdecke wieder zum Einsatz kommt. Am nächsten Tag fühlen wir uns gut gerüstet zum ersten Mal die 4000er Marke zu erklimmen. Mit dem Landy fahren wir bis zum Ausgangspunkt und den Rest bewältigen wir dann (ohne Kopfschmerzen!) zu Fuß. Zuerst geht es auf einem Schotterweg entlang zu einem in die Jahre gekommenen Observatorium und diversen Antennen und erreichen die 4000 Meter Marke. Die Aussicht ist grandios, schweift das Auge doch über Ackerflächen, Wälder, Vulkankegel und wird gekrönt von einem tollen Blick auf den Luftlinie nur 5 km entfernten Vulkan El Fuego. Dieser stößt gelegentlich wieder eine Rauchwolke aus und das Grummeln ist deutlich zu vernehmen. Von den Antennen aus wandern wir dann immer näher in Richtung Gipfel des Nevado und schaffen es bis auf ca. 50 Meter unterhalb der Spitze, es ist kein Weg erkennbar und somit ist dann für uns „Flachland-Tiroler“ aus Sicherheitsgründen Schluss. Wollen wir doch kein zu großes Risiko am Anfang unserer Reise eingehen - schließlich wollen wir noch ein wenig weiter reisen!