Tequila – Schönheit auf den zweiten Blick

Nach einer sehr schönen Fahrt durch das hügelige und üppig bewachsene Gebirge Sierra Vallejo kommen wir in Tequila an. Nach einem Stopp im Supermarkt fahren wir ein wenig durch die Stadt um einen geeigneten Parkplatz sowie einen Übernachtungsplatz zu finden. Wir wissen, dass es hier keinen offiziellen Campingplatz gibt und die Hotelparkplätze sagen uns nicht zu bzw. wir passen höhenbedingt nicht durch die Parkplatzeinfahrt. Die Straßen in der Stadt sowie im Außenbereich sind in einem erbärmlichen Zustand, die Häuser und Hütten ebenfalls. Uns kommt der Gedanke einen Bulldozer für die Stadt zu bestellen, der alles dem Erdboden gleich macht. Womit hat Tequila die Auszeichnung „Pueblo Magico“ erreicht? Wir wissen es nicht und sind leicht frustriert. Am Ortsrand finden wir dann die Destillerie „La Cofradia“: gelegen auf einem riesigen, hügeligen Gelände, umgeben von blau schimmernden Agaven-Feldern, gepflegte Gärten mit Mango- und Limettenbäumen. Wie schön - hier fühlen wir uns gleich wohl. Also fragen wir nicht nur nach einer Betriebsbesichtigung und einem Restaurant sondern auch ob wir mit Gypsy hier über Nacht parken können. Wer soll nach einer Tequila-Probe auch noch Auto fahren? Die nette Rezeptionistin macht ein paar Telefonate und die anfängliche Antwort ist nur ein halbes JA. Wir sollen erst mal die Führung machen und zu Abend essen, dann will man uns Bescheid geben. Nach der interessanten Betriebsbesichtigung, einer etwas spärlichen Verkostung des Agavenschnapses und einem fantastisches Essen im wunderschönen Gewölbekeller ist die Rezeption dann aber geschlossen und es ist nur noch das Wachpersonal anwesend. Die wissen natürlich von Nichts – also sagen wir einfach, dass das so abgesprochen ist und sodann ist es für die freundliche Nachtschicht okay, dass wir die Nacht auf dem Gelände verbringen. Der Security Mann weist uns noch einen netten Platz unter den Mangobäumen zu und dann verbringen wir - bestens bewacht - eine sehr ruhige Nacht. Geht doch :-)

Morgens wollen wir dann der Innenstadt noch eine Chance geben – irgendwo muss Tequila doch eine schöne Ecke haben!?. Es ist Sonntag und am frühen Morgen (als wir noch friedlich geschlummert haben) hat ein Halbmarathon stattgefunden und es wimmelt in der gesamten Stadt von Läufern und Zuschauern. Die Geschäfte sind geöffnet, an allen Ecken sind Verkaufsstände und zusätzliche Taco-Buden aufgebaut, es herrscht quirliges Treiben. Wir erkunden die Innenstadt bei Sonnenschein, entdecken viele wunderbare Gebäude und erleben in der großen Kathedrale live eine feierliche Erstkommunion. Im gemütlichen Café nehmen wir den Logenplatz auf dem Balkon zum Kirchplatz ein, trinken frisch gepressten Orangensaft. Auf dem Firmengelände der größten Tequila-Fabrik „Cuervo“ schauen wir uns später noch die Siegerehrung der Läufer an. In der Stadt gibt es eine Vielzahl von Tequila-Fabriken – der Name ist Programm.

Auf den zweiten Blick sind wir dann wirklich begeistert von Tequila. Also doch keinen Bulldozer für Tequila.

Nachmittags fahren wir via Landstraße durch Agavenfelder und Vulkangestein, schauen uns eine historischen Maya Grabstätte mit interessanten Fundstücken an und campen abends in La Penata Jatemba beim Campground „Little Rig“. Schöner kleiner Platz im Garten von kanadischen Besitzern aber leider unverschämt teuer. Das Ortszentrum ist ganz nett und wir genießen eine echt italienische Pizza und amüsieren uns auf der „Kirmes“ noch ein wenig beim Pfeile werfen – leider ohne zu gewinnen.