Barranca del Cobre - Kupfer Canyon

Schon Zuhause in Deutschland haben wir aufgrund von Reiseberichten den Besuch des Kupfer Canyon eingeplant. Dieser Canyon ist über 1500 m tief und 50 km lang und somit wesentlich größer als der Grand Canyon in den USA aber nicht halb so bekannt. Das Vulkangestein der Sierra Madre Occidental ist von einem halben Dutzend Schluchten durchzogen und die Vegetation wechselt von subtropischen Gegenden mit Zuckerrohr, Orangenbäumen und meterhohen Kakteen in eine Bergwelt mit Eichen und Kiefern.

 

Durch dieses Schluchtensystem führt eine "atemberaubende" Bahnstrecke: der Bau dauerte fast ein Jahrhundert und zählt aufgrund der 86 Tunnel und 37 Brücken zu den größten Ingenieurleistungen der Welt (oh, wie kann das sein? Wir sind doch gar nicht mehr in den USA.).

Also schlagen wir die entsprechende Route ein und fahren nach El Fuerte. Der Ort ist ebenfalls ein sogenanntes Pueblo Magico und obwohl es regnet und die Straßen und Gassen mangels Kanalisation unter Wasser stehen finden wir das Städtchen ganz nett. Wir verbringen den Nachmittag mit dem Essen von leckeren Ceviche (Fischcocktail) und gönnen uns anschließend in einem Café mit Internetzugang ein Stück Kuchen. Dann fahren wir 6 km aus dem Ort hinaus zum Bahnhof denn von hier wollen wir am nächsten Morgen die berühmte Zugfahrt durch den Kupfer Canyon beginnen. Der Bericht in "epischer Breite" ist als Informationsquelle für andere Reisende gedacht - normalerweise fassen wir uns kürzer ;-)

Wir parken in einem Hinterhof (Details siehe LINK) und erkennen dort das Fahrzeug von Françoise und Gerard, den netten Franzosen, die wir im Walnut Canyon/USA getroffen haben. Die beiden kommen am Abend von der Zugfahrt zurück und wir begrüßen uns herzlich. Außerdem steht im Hof noch das Reisemobil von Sabine und Bernd aus Deutschland, die von Südamerika in Richtung USA unterwegs sind. Da noch ein weiteres französisches Mobil eintrifft verbringen wir einen nach Nationalitäten getrennten Abend und so quatschen wir nett mit Sabine und Bernd.

Um 08.15 Uhr trifft der Zug pünktlich ein und wir erhalten ohne Reservierung zwei schöne Plätze in Fahrtrichtung, von wo aus sich die besten Blicke ergeben. Die Bahnstrecke ist spektakulär und es ist verwunderlich, dass durch dieses Gebirge und diese Schluchten überhaupt ein Zug fährt.

Nach 7 Stunden Zugfahrt mit dem "Chepe" kommen wir im 2300 m ü.M: liegendem Creel an und werden gleich am Bahnsteig von mehreren jungen Männern bezüglich einer Unterkunft angesprochen. Wir haben vorab keine Reservierung gemacht und lassen uns "beraten". César macht das Rennen indem er einen Prospekt vorzeigt, Touren anbietet, einen günstigen Preis aufruft und uns verspricht, uns zu einer der anderen Unterkünfte zu fahren falls uns das Zimmer nicht gefällt. Also steigen wir in den Minibus und fahren zu unserem Zimmer "Los Bostilles": sauber, groß, nett eingerichtet und etwa fünf Minuten zu Fuß ins Zentrum. Das buchen wir für 2 Nächte und zahlen 250 Pesos (ca. 14,50€) pro Nacht, ohne Frühstück. Den Nachmittag schlendern wir durch Creel und schauen dem bunten Treiben der Einwohner und der in dieser Gegend lebenden Tarahumara Indianer zu. Die Dorfjugend hängt am Dorfplatz ab, spielt mit dem Handy, kickt ein paar Bälle und wer es sich erlauben kann, der radelt auf einem alten Drahtesel oder reitet gar auf einem Pferd oder Maultier umher. Im Ort selbst gibt es diverse Läden mit indianischem Handwerk und Souvenirs, kleine Lebensmittelgeschäfte, Schuhgeschäfte und ein paar Restaurants. Wir essen lecker zu Abend und spazieren danach zu unserer Unterkunft. Obwohl es schon dunkel ist fühlen wir uns auf dem kurzen Heimweg nicht unsicher.

Morgens gehen wir in das Restaurant vom Vorabend um zu frühstücken. César holt uns dort mit dem Minibus ab denn wir haben eine 4,5 Std. Rundfahrt zu verschiedenen "Sehenswürdigkeiten" gebucht. Zuerst fahren wir in das nahe gelegene Reservat der Tarahumara Indianer. Etwa 600 Familien dieser Ureinwohner leben in der Umgebung, etwa 30% davon noch traditionell in Höhlenwohnungen. Diese äußert spartanischen Behausungen unterhalb von Felsüberhängen bestehen aus einem Schlafraum für die komplette Familie sowie einer Küche, in der auf offenem Feuer gekocht wird - die Decke der Felshöhle ist völlig verrußt. Elektrizität gibt es keine, auch kein Badezimmer, keine Dunstabzugshaube, kein TV. Im Vorhof befindet sich eine Kammer die als Getreidespeicher dient und es gibt in ein paar Stangen für die Hühner, damit diese nicht nachts auf dem Acker den Coyoten zum Opfer fallen.

Die mexikanische Regierung unterstützt das Volk der Tarahumara und hat neben einer alten Missionskirche eine Schule samt Kinderwohnheim und Krankenstation eingerichtet. Die Kosten trägt der Staat. In Mexiko herrscht übrigens Schulpflicht. So lernen zumindest die Kinder neben der Sprache der Tarahumara auch Spanisch.

Die Frauen und Mädchen tragen bunte Röcke und Tücher, die Männer normale Hose und Hemd. In den etwas wärmeren Tälern gibt es auch noch Männer, die den traditionellen Lendenschurz tragen. Sehr viele der Tarahumara tragen selbst gemachte Sandalen, deren Sohlen zumeist aus alten Autoreifen bestehen.

Im Reservat gibt es ausserdem spezielle Felsformationen zu sehen, das Tal der Pilze (Valle de los Hongos) und das Tal der Frösche. Überall sitzen die Tarahumara Mädchen oder Frauen und bieten ihre Handwerkskunst (Körbe, Tücher, Schmuck) zum Kauf an. Die Ware ist meist schön und authentisch und kostet wirklich nicht viel.

Danach geht unsere Tour weiter zum künstlich angelegten See Arareco und zum Wasserfall Cusarare. Hier machen wir eine kurze Wanderung durch den Pinienwald bis zum oberen Lauf und steigen über ca. 250 Treppenstufen hinab zum Fuß des 30 m breiten und ebenso hohen Wasserfalls. Der kurze Fußmarsch tut uns gut und der Wasserfall ist wirklich schön.

Gegen 13.30 Uhr sind wir von der Tour zurück. Fazit: Insgesamt hat uns die Tour für 250 Pesos pro Person gut gefallen. Auf eigene Faust hätten wir uns schwer getan, dies so zu organisieren. Und zum Glück konnten wir unserem Landy die Strapazen der Nebenstrassen ersparen.

Nachmittags spazieren wir in Creel zum Aussichtspunkt und der Jesus-Statue Cristo Rey mit Blick über den Ort und die Umgebung. Creel ist zwar nichts Besondereres, als Ausgangspunkt für Unternehmungen aber gut gelegen.

Am nächsten Morgen machen wir eine Fahrt zu verschiedenen Aussichtspunkten des Kupfer Canyon (ebenfalls 250 Pesos pro Person). Der Reiseführer ohne Namen ist ein absoluter Vollidiot und fährt wie eine Sau den mit 10 Leuten voll besetzten Minibus. Einige Insassen versuchen vergeblich den Sicherheitsgurt anzulegen, ein Mädel nimmt Tabletten gegen Reiseübelkeit ein und Torsten raunt den völlig durchgeknallten Fahrer bei einem mörderischen Überholmanöver an - das alles lässt den Kamikaze-Fahrer völlig unbeeindruckt. Der Minibus rast bergauf, bergab, durch Kurven und Dörfer und brettert durch Schlaglöcher als gebe es kein Morgen. Gibt es vielleicht auch nicht wenn er so weiter rast... Wir halten an zwei Aussichtspunkten mit tollen Blicken in die Schlucht und stoppen dann für knapp zwei Stunden am modernen Besucherzentrum in El Disisadero auf 2250 m Höhe. Hier kann man 1000 m tief in die Schlucht blicken und seit ein paar Jahren gibt es eine moderne Seilbahn, die über den Canyon zu einem weiteren Aussichtspunkt führt. Außerdem können Abenteuerlustige via Zipline über die Schluchten schweben.

Torsten hat seit dem Abendessen leider üble Magenprobleme und ist alles andere als fit. Wir spazieren daher nur ein wenig am Rand des Canyons entlang und genießen die tolle Aussicht. Kurz vor dem Bahnhof in El Divisadero macht unser Bus einen weiteren Stopp. Wir sind beide dankbar, dass wir die Fahrt irgendwie überlebt haben und gehen den Rest bis zum Bahnhof lieber zu Fuß. Dort nehmen wir wortlos unser Gepäck entgegen und freuen uns, dass wir gleich in den Zug steigen können und nicht mit dem Vollidioten zurück nach Creel müssen.

Die Rückfahrt mit dem Zug nach El Fuerte dauert aufgrund einer Stunde Verspätung sehr lange. Letztendlich sind wir froh endlich "daheim" bei Gypsy anzukommen und verbringen die Nacht auf dem Hinterhof.

 

Fazit zu unserem Ausflug: lange aber interessante Bahnfahrt durch spektakuläres Gelände, etwas Kultur über das Volk und Leben der Ureinwohner, beeindruckender Canyon, leider kaum Infrastruktur zum Wandern (es sei denn man macht noch eine achtstündige Autofahrt nach Batopilas, Ausflug insgesamt schön, wir haben unser rollendes Zuhause vermisst.

Weitere Details zur Bahnfahrt gibt es hier! -click-