Jumper cable - Yosemite National Park

Vor gut einer Woche wussten wir noch nicht mal was ein "Jumper cable" ist, ganz zu schweigen davon, dass wir bald selbiges brauchen würden... Ihr könnt sicherlich schon erahnen, was es damit auf sich hat:

Unser Landy hat keinerlei Extras, und wenn wir am helllichten Tag wegen der Fahrt durch den Tunnel im Yosemite National Park das Abblendlicht einschalten, so müssen wir daran denken, dieses auch wieder auszuschalten. Bei strahlendem Sonnenschein kann man das durchaus mal vergessen, zumal kein nerviger Piepton erklingt. Also radeln wir mit den Mountainbikes durch Yosemite Valley, trinken Cappuccino, geniessen den Tag und merken dann, dass unser Auto beim Starten seltsame Geräusche von sich gibt und trotz diverser Startversuche nicht mehr anspringt. Da stehen wir nun auf einem Parkplatz im Yosemite Park und wollen doch sehnlichst unseren mit Glück ergatterten Campingplatz ansteuern. Was tun??? Sprechen uns im Normalfall alle paar Minuten Leute auf unser tolles Gefährt an, so sind plötzlich alle Menschen (außer Asiaten mit Reiskochern im Gepäck) wie vom Erdboden verschluckt.

1. Wir rufen den ADAC an. Fehlanzeige: Das amerikanische Handy will die 0180er Nummer in Deutschland partout nicht erkennen.

2. Wir rufen gleich den AAA in den USA an. Bevor wir dessen Nummer finden, erhalten wir von zwei älteren Herrschaften den Tipp, dass es im Park eine Autowerkstatt gibt. Also suchen wir die entsprechende Nummer und rufen dort an:

Was? Das Auto springt nicht an? Die Werkstatt sei schon geschlossen, wir sollen bis morgen früh warten. Außerdem koste das 85 Dollar. Und sowieso sollen wir das vorab mit dem AAA klären, der checkt die Kostenübernahme und erst dann komme jemand von der Werkstatt zu uns (den weiten Weg von 5 km). Am Ende würden wir vielleicht nicht zahlen und dann stehe die Werkstatt blöd da.

Wie bitte??? Sind die verrückt? Die können uns mal... Wir regeln das ohne Werkstatt.

3. Während Torsten mühsam den Fahrersitz entfernt (darunter sitzt beim Defender die Starterbatterie) und die zweite Batterie aus der Wohnkabine ausbaut, "prostituiert" Doris sich auf dem Parkplatz und quatscht Leute an, stoppt vorbeifahrende Autos um nach einem - jetzt kommt es - Jumper cable = Überbrückungskabel zu fragen! Bald finden sich zwei nette Ranger, die nicht nur ein Jumper cable im starken Pick-up haben, sondern auch bereit sind, ihr Auto rechts von uns in eine wirklich enge Lücke zu parken um unsere Batterie zu überbrücken (to give us a Jump). Hurra! Mission gelungen, der Landy springt sofort an und nachdem Torsten wieder die Batterie in der Wohnkabine und den Fahrersitz installiert hat, drehen wir eine größere Runde und beziehen spät am Abend unseren Campingplatz.

Da wir am nächsten morgen schon um 8.20 Uhr einen Transfer zu unserem Tour Startpunkt gebucht haben und skeptisch sind, parken wir vorsichtshalber in Fahrtrichtung mit seitlich viel Platz für eine mögliche Überbrückungsaktion.

Tja, blöderweise ist dann am frühen, kalten Morgen kein Starten des Motors möglich... Die Aktion vom Vortag beginnt von vorne: Torsten baut den Sitz aus um an die Batterie zu kommen und Doris organisiert einen Jump samt Kabel... Das Glück ist uns hold: Ein junger Typ ruft uns schon zu "You Need a Jump?", parkt ruckzuck neben uns und überbrückt unseren Landy. Torsten schraubt im Eiltempo den Fahrersitz wieder auf und los geht's zu unserem Tour Treffpunkt. Auf keinen Fall wollen wir auf die geplante Wanderung verzichten. Unsere Erwartung, dass das Auto am Nachmittag nicht wieder anspringt wandelt sich erwartungsgemäß zur Realität. Warum auch? Also gleiches Spiel von vorne: Torsten schraubt und Doris labert Leute an. Unser dritter Versuch ist dann schon reif für das Guinness Buch der Rekorde: Der Sitzausbau klappt in kürzester Zeit und ein hilfsbereiter Mann mit starkem Gefährt und Jumper cable ist schnell gefunden.

Auf eine vierte Aktion dieser Art haben wir dann keine Lust mehr, und da wir den Nationalpark ohnehin verlassen wollen, fahren wir gute 2,5 Stunden ohne den Motor abzustellen und erreichen eine Autowerkstatt, die uns um 20 Uhr trotz Feierabend noch unsere Batterie checkt (richtig geraten: Torsten baut erneut den Sitz aus) und feststellt, dass unsere Batterie den Geist aufgegeben hat. Und wieder haben wir Glück: der Laden hat ein ganzes Regal voll mit einem deutschen Markenprodukt und auch eine passende für den Landy!

 

Die uns entgegen gebrachte Hilfsbereitschaft war sensationell und wir danken allen, die uns hierbei schnell und unkompliziert geholfen haben! Thank you!