Don't shoot the messenger...

Nach einigen Meilen auf der Interstate 70 lassen wir den Staat Kansas mit den riesigen Weizenfeldern und Rinderfarmen hinter uns und befinden uns nun im sonnigen Colorado. Wir nehmen Kurs auf Denver und Torsten freut sich schon auf die neue Kamera, zumal die alte vor ein paar Tagen auch noch runtergefallen war... Kaum die neue Kamera in der Hand, reizt es doch sehr sich ausgiebig damit auseinander zu setzen. Also kaufen wir nur kurz noch ein paar Lebensmittel und steuern den in unserem Reiseführer angepriesenen Cherry Lake Campground an. Außer uns hatten wohl gefühlte 1000 andere Leute den gleichen Plan und so erreichen wir gegen 17.30 Uhr nur noch die verschlossene Schranke. Ohne Reservierung geht hier gar nichts. Na gut, versuchen wir es beim Chatfield Lake Campground, ca. 20 Minuten weiter außerhalb der Stadt. Das ungute Gefühl, dass dort auch alle Plätze belegt sind, trügt uns nicht. "Full" heisst es auf dem Schild am Eingang. Immerhin ist die Schranke offen und wir kurven einfach mal über den riesigen Platz und entdecken freie Plätze, die jedoch mit einem "reserviert" Zettel markiert sind. Wir treffen den "Camping host" und setzen unser freundlichstes Lächeln auf. Nein, leider nichts mehr frei. Wir erläutern ihm, dass wir im Bereich der Gruppenplätze viele freie Stellen gefunden haben und der gute Mann wird fast schon weich. Dann wird ihm die Sache doch zu heikel und er will den Park Ranger befragen. Wie auf Bestellung trifft dieser gerade hinter uns ein und der "Host" erklärt ihm unser Anliegen. Dann kommt Mr. Cool in Ranger Uniform und tiefschwarzer Sonnenbrille zu uns ans Auto und meint ganz locker "Don't shoot the messenger..." Wir sollen also nicht den Überbringer der schlechten Nachricht erschießen. Kann der Gedanken lesen? Wir ziehen alle Register was Freundlichkeit gepaart mit Hartnäckigkeit angeht und hoffen, dass Mr. Cool uns doch auf einem der freien Plätze übernachten lässt. Weit gefehlt. Nein, er kann keine Ausnahme machen. No way...

Immerhin geben die beiden Herren uns nun Tipps, wo wir sonst noch fragen können. 5 Meilen weiter südlich soll es noch einen kleinen Platz geben. Oder zur Not auf dem WalMart Parkplatz. Super, wenn wir da unseren Grill auspacken, oder?

Naja, wir sind ja selber Schuld an der Situation, haben wir doch das sonnige Wochenende unterschätzt. Die US Bürger sind dann nicht mehr zu halten und wollen alle campen...

Lektion 1 unserer Reise: Am Wochenende und insbesondere in der Nähe von landschaftlichen oder touristischen Highlights gilt es , sich frühzeitig um einen Campingplatz zu bemühen, oder aber diesen vorab zu reservieren.

 

Wir folgen also dem Rat von Mr. Cool und düsen gute 6 Meilen bis nach Sedalia, von wo der Campingplatz nicht mehr weit sein soll. Es wird immer ländlicher und einsamer und nach weiteren 5 Meilen finden wir auch den besagten Platz, hoch in den Bergen gelegen - und der ist was? Nein, nicht voll sondern gesperrt! Na bravo. Also kehren wir um und treffen kurze Zeit später auf zwei Männer, die in ihrem Offroad Jeep mangels Benzin liegen geblieben sind. Ein Dritter kommt hinzu und hilft nicht nur den beiden Gestrandeten sondern erklärt uns fachkundig, wie wir doch noch zu einem Campingplatz kommen. Umdrehen, wieder hoch in den Wald und dann in eine "Dirt Road" abbiegen und nach 5 Meilen gibt es mehrere Plätze. Gesagt, getan. Die "Dirt Road" hat ihren Namen redlich verdient und ist nicht nur unbefestigt, nein, zum Eingewöhnen hat sie auch exakte 15% Gefälle. Landy und Fahrer fühlen sich wohl, und die Beifahrerin hält zur Abwechslung mal die Klappe. Mitten bei der Abfahrt kommt dann auch noch Gegenverkehr. Der Typ ruft uns zu, wie wir das hingekriegt haben. Was genau jetzt? Wie wir auf diesem Weg gelandet sind? Nein. Wie wir eine Wohnkabine auf einen Defender gekriegt haben?!?

Unser Landy ist hier in den USA ein echter Exot und es vergeht kein Tag und kein Stopp, bei dem wir nicht zu unserem Fahrzeug beglückwünscht werden. *freu*